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Mehr Geld oder mehr Urlaub?

Ein Mitarbeiter reinigt im Stahlwerk der Salzgitter AG eine Roheisenpfanne.

Mehr Geld oder mehr Urlaub?

Von Katja Schwiglewski

Nach der Tarifeinigung für die nordwestdeutsche Eisen- und Stahlindustrie dürfen sich die Beschäftigten über mehr Geld freuen. Vereinbart sind monatliche Lohnerhöhungen von 3,7 Prozent und Einmalzahlungen, ab 2020 1.000 Euro im Jahr. Statt dieses Geld zu nehmen, können sich die Mitarbeiter aber auch für zusätzliche Urlaubstage entscheiden.

Mehr Geld oder mehr Urlaub?

WDR 4 Zur Sache 18.03.2019 02:12 Min. WDR 4

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Geld führt uns schnell in Versuchung. Egal, ob wir an ein gut gefülltes Portemonnaie oder eine schöne Zahl auf dem Kontoausdruck denken, das Glücksversprechen des Geldes hat eine geradezu magische Anziehungskraft. Fast alle Menschen werden da schwach, obwohl sie eigentlich genau wissen, dass es im Leben auf ganz andere Dinge ankommt.

Aus diesem Zwiespalt lassen sich wunderbar Funken schlagen, denken Sie an Spielshows, wie "Geld oder Liebe?" und Filme, wie "Ein unmoralisches Angebot". Dahinter steckt die immer gleiche Gewissensfrage: Was würden wir auf’s Spiel setzen, um so richtig Moneten zu scheffeln?

Nun sind die Tausend Euro, die den Stahlkochern als jährliche Einmalzahlung versprochen wurden, kein Jackpot. Aber nichts ist das nun auch wieder nicht. Damit ließe sich schon etwas anstellen – selbst wenn man natürlich bedenken muss, dass ungefähr die Hälfte direkt wieder flöten geht, durch Steuern und Sozialabgaben.

Vielleicht neue Gartenmöbel oder ein schicker Wohnzimmerteppich? Ich finde, fünf zusätzliche Urlaubstage sind trotzdem die bessere Option. Wir leben schließlich nicht, um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben, oder?

Wer genug zum Leben verdient, wird das Mehr an Freizeit zu schätzen wissen. Ausschlafen, sich um die Familie kümmern, etwas mit Freunden unternehmen, Zeit für Hobbies, für Haustiere, für die eigenen vier Wände, spazieren gehen, entspannen, schwimmen, gut essen, mal ins Kino oder ins Theater – es gibt so unendlich viele schöne Dinge, die wir in Ruhe tun können, wenn wir ein paar Tage frei haben.

Carpe diem, nutze den Tag und genieße den Augenblick. Viele Menschen haben mittlerweile das Bedürfnis, Beruf und Privatleben in ein ausgeglichenes Verhältnis zu setzen. Die Zeit der Workaholics, die sich im Job aufreiben und fast totarbeiten, ist vorbei, denke ich manchmal. Das ist ein Trend, der mir gefällt! Dass dieses gesellschaftliche Umdenken jetzt in Tarifverhandlungen einfließt, finde ich sehr weitsichtig. So lassen sich in Zukunft Mitarbeiter gewinnen. Denn Geld allein macht’s nicht.

Stand: 18.03.2019, 13:10