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Kommentar: Tanzverbote an Karfreitag

tanzende Menschen in einer Disco

Kommentar: Tanzverbote an Karfreitag

Von Stephan Karkowsky

Der Bochumer Verein Religionsfrei im Revier darf am Karfreitag eine Disco veranstalten. Die Bezirksregierung erteilte eine Ausnahmegenehmigung, trotz des Tanzverbotes an den Stillen Feiertagen. Stephan Karkowsky findet: Auch ohne das Tanzverbot wären die Gottesdienstbesucher ausreichend vom Feiertagsgesetz geschützt.

Kommentar: Tanzverbote an Karfreitag

WDR 4 Zur Sache 18.04.2019 02:06 Min. WDR 4

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Insgesamt 14 Paragrafen hat das Feiertagsgesetz für Nordrhein-Westfalen. Sie lernen da zum Beispiel: Hetzjagden sind an Sonn- und Feiertagen verboten.

Der Betrieb von Bräunungsstudios ist erlaubt. Verboten ist alles, was die Gottesdienste stören könnte, nicht aber Gewerkschaftsfeste am 1. Mai, und Einheitsfeiern am 3. Oktober – solange der auf einen Wochentag fällt.

So detailliert steht das da drin! Ich finde: Das reicht. Der Gesetzgeber aber hat mit Artikel 6 noch schärfere Regeln erlassen für die stillen Feiertage … Volkstrauertag, Allerheiligen und, am schärfsten, für den Karfreitag.

Verboten sind ab heute 18 Uhr: Alle Tanzveranstaltungen! Ab Morgen: Pferderennen! Zirkus- und Volksfeste! Der Betrieb von Spielhallen und Wettbüros, aber auch Privatfeste im Freien – überlegen Sie mal! Bei dem Wetter! Sowie – und jetzt kommts: Alle öffentlichen Vorträge, Filmvorführungen, Theater und Konzerte während der Hauptzeit des Gottesdienstes!

Im Prinzip dürfen Sie froh sein, dass Sie morgen zwischen 6 und 11 Uhr den Fernseher einschalten dürfen, ohne ins Gefängnis zu kommen. Ich finde: Da kann man schon verstehen, wenn einer sagt: Sollten wir nicht endlich mal die Kirche im Dorf lassen und Artikel 6 streichen?

Speziell das Kinoverbot und das Tanzverbot sind Relikte aus einer Zeit, in der die Landbevölkerung noch auf Tanztennen tobte und in Autokinos ging. Aus Discos und Multiplexkinos dringt durch den Lärmschutz im öffentlichen Raum längst nichts mehr nach außen. Und dass sich Religionskritiker die Vorführung von albernen Filmen wie "Das Leben des Brian" vom Staat genehmigen lassen müssen, grenzt an Zensur.

Zumal die Zahl der Gottesdienstbesucher aktuell einen Tiefststand erreicht hat. Diese Minderheit sollte der großen Mehrheit der Zuhausegebliebenen nicht ihr Privatleben diktieren: Wer in gemieteten Gaststätten Hochzeit feiern will, wer Ostern in den Clubs durchtanzen und wer im Kino selbst entscheiden möchte, was er wann sehen will, der stört heute wirklich niemanden mehr.

Stand: 18.04.2019, 13:10