Kommentar: Der Geruch der Freude

Eine Frau verabschiedet sich am Bahnhof von ihrem Freund

Kommentar: Der Geruch der Freude

Von Stephan Karkowsky

Die Universität Düsseldorf sucht Teilnehmerinnen für eine ungewöhnliche Studie: Man will den Duft des Wiedersehens finden. Die Forscherinnen wollen testen, wie sich unser Körpergeruch verändert bei Treffen mit lieben Menschen, die wir lange nicht gesehen haben. Aber kann das wirklich sein, dass Sehnsucht einen eigenen Duft produziert? Stephan Karkowsky glaubt fest daran.

Kommentar: Der Geruch der Freude

WDR 4 Zur Sache | 08.02.2019 | 01:59 Min.

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Als ich klein war, duftete meine Mutter nach Zuckerrüben. Eigentlich duftete das ganze Dorf danach. Aber an ihrem blauen Arbeitskittel war es besonders stark, wenn sie aus der Fabrik kam und ich mich ihr in die Arme warf.

Die Fabrik ist längst abgerissen. Aber die Erinnerung an diesen Duft vergeht nie. Meine erste Freundin duftete im Haar nach grünen Äpfeln. Das war so eine Mode, Ende der Siebziger, Green Apple Shampoo, Moschus und Patschuli aus dem Dritte-Welt-Laden. Nach der Schule gingen wir in Hildes Teestübchen: Vanille und Kirsche und Schwarze Johannisbeere.

In den Achtzigern dann trugen die Mädchen Parfums wie KL, Balahé oder Lou Lou. Ich könnte Ihnen meine ganze Lebensgeschichte erzählen anhand von Düften. Und das sind nur die, die ich bewusst wahrnehme und benennen kann.

An der Uni Düsseldorf dagegen, suchen sie Düfte, die unser Körper selbst produziert, um mit anderen zu kommunizieren – ohne, dass wir das merken. Wenn jemand sagt: Ich kann Dich nicht riechen, dann ist das nicht nur ein Spruch. Dann ist die Kommunikation per Nase gestört.

Wen wir gut riechen können, haben wir gern bei uns. In der Regel sind das unsere Partner. Deshalb wollen die Psychologinnen herausfinden: Wie ist das bei Fernbeziehungen? Wenn etwa die Kinder zu Ostern nach Hause kommen. Merkt dann die Nase als Erste, ob es uns gut geht? Sind wir nach der Umarmung beruhigt oder machen wir uns Sorgen?

Offenbar weiß unser Körper vieles, bevor die ersten Worte gewechselt wurden. Diesen Geheimnissen wollen die Forscherinnen nachspüren. Womöglich nämlich enthält unser Körpergeruch mehr Informationen, als uns lieb ist. Waren wir treu? Sind wir ehrlich? Verschweigen wir eine Krankheit?

Noch immer ist es so, dass ich mich zu Besuch bei Mama am besten entspannen kann. Nirgendwo schlafe ich so tief, nirgendwo ist meine innere Ruhe größer. Heute sind es keine Zuckerrüben mehr. Aber offenbar gibt es da irgendetwas, das mir signalisiert: Hier bist Du zuhause. Endlich!

Stand: 08.02.2019, 13:10