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Kommentar: Krieg auf der Straße

Ein Radfahrer fährt über einen Radweg

Kommentar: Krieg auf der Straße

Von Irene Geuer

Es wird ja immer voller auf unseren Straßen – ist Ihnen das mal aufgefallen? Nicht nur mehr Autos, auf den Bürgersteigen und den Radwegen ist auch mehr los. Leider auch, was Unfälle betrifft. Verkehrsminister Andy Scheuer will jetzt, zumindest für die Fahrradfahrer, Verbesserungen schaffen – mit neuen Gesetzen. Überflüssig, sagt Irene Geuer. Anderes wäre viel nötiger …

Kommentar: Krieg auf der Straße

WDR 4 Zur Sache 11.06.2019 02:00 Min. WDR 4

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Neulich auf dem Bürgersteig. Zwei Personen gehen, von vorne kommen zwei erwachsene Radfahrer mit zwei Kindern, eines davon mit Roller. Von hinten kommt Mutter mit Kind, das noch nicht so gut Radfahren kann und deshalb in dem ganzen Gedränge einem Passanten gegen das Schienbein fährt.

Der schimpft, die radfahrenden Eltern werden daraufhin aggressiv und beleidigen die Passanten. Außerdem erklären sie, das Kopfsteinpflaster auf der Straße sei zu gefährlich, deshalb müssten sie auf dem Gehweg fahren. Eine reale Situation, die super geeignet ist für ein Verkehrsquiz.

Alle Radfahrer würden sofort verlieren. Denn der Bürgersteig gehört ihnen nicht. Sie sind da nur geduldet und müssen im Zweifel, also wenn zu wenig Platz da ist, absteigen, zum Fußgänger mutieren und schieben. Weiß das einer, zum Beispiel in Köln? Nein, ich glaube kaum. Oder: Weiß zum Beispiel jemand, dass ein Radfahrer nicht über den Zebrastreifen fahren darf?

So, und in dieser Situation kommt Verkehrsminister Scheuer mit neuen Gesetzen. Autofahrer sollen mehr Abstand beim Überholen von Fahrradfahrern einhalten. LKW sollen beim Rechtsabbiegen Schritttempo fahren und Parkern auf Radwegen drohen teurere Knöllchen.

Ja toll! Und? Wer misst nach, ob der Abstand eingehalten wurde. Wer führt den Nachweis, dass der LKW schneller als Schritttempo unterwegs war? Mal wieder Vorschriften, die keiner kontrollieren kann, die nichts bringen, außer einem Fleißkärtchen in der politischen Disziplin "Symbolpolitik".

Die gehört abgeschafft. Bitte. Stattdessen sollte Politik auf Konzepte setzen, die einen Krieg auf unseren Straßen verhindern. Es gibt so viele Vorschläge – auch von Wissenschaftlern, damit sich der Verkehr entzerrt. Es wäre prima, wenn sich der Bund zum Beispiel daran beteiligen würde, Bus- und Bahnfahren kostenfrei zu machen. Das wäre was! Und dann, kommen wir zurück auf den Bürgersteig mit drei Rad-, einem Rollerfahrer und zwei Fußgängern: Es kommt auch auf uns an und wie wir miteinander umgehen. Denn wenn wir schon die Verkehrsregeln nicht genau kennen, dann könnten wir es einfach mit Höflichkeit regeln. Oder mit Rücksichtnahme. Die beiden helfen ungemein, wenn der Straßenraum gerecht geteilt werden will.

Stand: 11.06.2019, 00:00