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Kommentar: Streit um Staulänge? Egal! Zuviel Stau ist Stau zuviel

Stau auf der Autobahn, Langzeitbelichtung

Kommentar: Streit um Staulänge? Egal! Zuviel Stau ist Stau zuviel

Von Irene Geuer

Ein Streit ist neu entbrannt. Zwischen dem Landesverkehrsministerium und dem ADAC. Beide geben eine Staustatistik heraus, kommen aber zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Der ADAC sagt, die Staus im vergangenen Jahr hätten zugenommen und zusammengerechnet 486.000 Kilometer ergeben. Das Land spricht von 103.500 Kilometern und freut sich über weniger Stau. Das alles hilft nicht bei der Lösung des eigentlichen Problems.

Zuviel Stau ist Stau zuviel

WDR 4 Zur Sache | 18.01.2019 | 01:51 Min.

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Ich glaube, ein Psychologe könnte hier helfen. ADAC und Verkehrsministerium auf der Couch. Mal die Seele öffnen. Sorgen und Nöten freien Lauf lassen. Könnte gut sein, dass der ADAC dann von seinen Ängsten erzählt, dass er Mitglieder verlieren oder nicht genügend neue anwerben könnte. Und das Ministerium outet sich vielleicht mit der Tatsache, dass Wahlen gewonnen werden müssen und im Koalitionsvertrag so einiges steht, das mit pathetischen Worten Mobilität verspricht, aber bislang noch nicht wirklich greift. Und schon würde klar werden, dass der eine lieber mehr Stau hat und der andere lieber weniger.

Die unterschiedlichen Zahlen kommen ja zustande, weil beide unterschiedliche Messmethoden anlegen. Das Land wertet die Daten von Messschleifen in den Autobahnen aus. Wird über mehr als fünf Minuten eine Geschwindigkeit von 35 ermittelt, spricht das Land von Stau. Der ADAC hingegen nutzt unter anderem die Daten von Navigationsgeräten und spricht bei einer Geschwindigkeit von 40 bereits von Stau.

Während ich das hier alles erzähle, stehen Sie vielleicht schon wieder in so einem und wollen das alles nicht so recht glauben. Wer morgens auf der A1 oder der A57 immer wieder stehen bleiben muss, der würde sich ja freuen, wenn es wenigstens mit 35 oder 40 km/h mal voran ginge.

Schon vor einem Jahr haben sich ADAC und Verkehrsministerium getroffen, um über die unterschiedlichen Zahlen zu sprechen. Ohne Ergebnis. Jetzt soll es im März ein neues Gespräch geben. Warum? Im Koalitionsvertrag steht, dass CDU und FDP dafür sind, dass jeder frei von staatlicher Bevormundung selber entscheiden soll, welches Verkehrsmittel er nutzt. Aufgabe sei es, individuelle Mobilität für alle zu gewährleisten.

Das ist für mich eine Messgröße. Versprechen einhalten. Und dabei ist es egal, wie lang der Stau genau ist. In beiden Rechnungen ist er zu lang. Da hilft auch keine Zahlen-Jonglage. Wir stehen drin. Wir wissen, wie nervtötend und stressig das ist. Koalitionsvertrag nehmen und abarbeiten, dann kommen wir vielleicht mal endlich wieder vom Fleck.

Stand: 18.01.2019, 13:10