Älterer Mann mit Einkaufswagen vor einem Supermarkt

Kommentar: An der Supermarktkasse sind nicht alle gleich

Stand: 05.04.2022, 13:10 Uhr

Wenn man im Urlaub in Italien, England oder Frankreich im Supermarkt einkaufen geht, merkt man schnell, wie teuer das ist. Ja, zu Hause bekommen wir Eier, Milch, Brot und Kaffee für weniger Geld, denn in Deutschland sind die Lebensmittelpreise vergleichsweise niedrig. Seit in der Ukraine der Krieg tobt, wird aber bei uns alles immer teurer. Wobei wir ja nicht alle denselben Preis zahlen.

Von Ferdinand Quante

An der Supermarktkasse sind nicht alle gleich

WDR 4 Zur Sache 05.04.2022 01:53 Min. Verfügbar bis 05.04.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


Download

Wer über die gestiegenen Lebensmittelpreise klagen will, sollte bitte vorab über den eigenen Kontostand sprechen. Weil’s nämlich nicht egal ist, wen die aktuellen Preiserhöhungen im Supermarkt treffen: den mittleren Beamten, gutsituierte Freiberufler oder z.B. eine alleinerziehende Mutter, die von Hartz-IV lebt und schon vor der Inflation nicht wusste, wie sie über die Runden kommen soll.

Es heißt ja jetzt oft pauschal "wir" müssten alle mehr zahlen. Ja, stimmt, aber nicht alle zahlen denselben Preis. Wer vor jedem Einkauf den Cent dreimal umdrehen muss, zahlt vergleichsweise viel mehr. Da wird Butter zum Luxusgut. Und deshalb ist staatliche Unterstützung für Geringverdiener und Hartz-IV-Empfänger dringend und schnell nötig. Alle anderen werden mit den teureren Lebensmitteln schon zurechtkommen.

Um mal zwei Zahlen zu nennen: Die Preise in den Lebensmittelabteilungen sind um durchschnittlich sechs Prozent gestiegen, weltweit aber um 28 Prozent, und zwar allein im letzten Jahr, vor dem Krieg in der Ukraine. Man kann sich denken, dass in sehr vielen anderen Ländern die Menschen jetzt mit wahrhaft monströsen Preissteigerungen zu kämpfen haben. Und auf dem afrikanischen Kontinent bald wohl auch mit Hungersnöten. Falls die reichen Länder dieser Erde nicht aushelfen und den Weizen liefern, der aus der Ukraine nicht mehr nach Afrika kommt.

Solidarität ist wichtig. Weltweit und im eigenen Land. Im kleinen, privaten Rahmen hieße solidarisch sein: auf Hamsterkäufe verzichten, weil Hamsterei die Preise noch weiter in die Höhe treibt. Und Geringverdiener noch mehr in die Enge.