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Ukrainische Flüchlinge

Kommentar: Soldatenmütter im Krieg

Stand: 09.03.2022, 13:10 Uhr

Verlässliche, unabhängige Informationen im Ukraine-Krieg zu bekommen, ist sehr schwierig. Deshalb gibt es auch keine genauen Zahlen zu den Opfern. Aber dass jeden Tag Menschen sterben, Soldaten wie Zivilisten, muss allen Seiten klar sein, auch den russischen Familien, die ihre Söhne, Brüder und Ehemänner für Putins Angriffskrieg opfern. Am Ende könnten es wieder die Soldatenmütter sein, die die Sinnlosigkeit von Kriegen bezeugen.

Von Katja Schwiglewski

Kommentar: Soldatenmütter im Krieg

WDR 4 Zur Sache 09.03.2022 01:53 Min. Verfügbar bis 09.03.2023 WDR 4 Von Katja Schwiglewski


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Wenn es stimmt, was man hört, dann sind unter den russischen Soldaten, die in die Ukraine geschickt wurden, um das Land zu besetzen, viele ganz junge Männer. Grüne Jungs, die gedacht hatten, es geht in ein Manöver, die jetzt aber als Kanonenfutter verheizt werden in einem Krieg, der zu Hause so nicht genannt werden darf.

Was sollen ihre Mütter in Russland jetzt denken, wenn sie wochenlang nichts hören? Wenn sie gar nicht wissen, ob ihre Söhne überhaupt noch leben, und dann eines Tages womöglich die Nachricht bekommen, dass ihr Kind im Kampf gefallen ist. Eine Gruppe von ukrainischen und russischen Frauen hat sich zur Aufgabe gemacht, tote russische Soldaten zu identifizieren und zur Bestattung in die Heimat zu überführen, lese ich. Wenigstens das haben diese armen Mütter verdient.

Es gehört zur Wahrheit im Krieg, dass viele Familien großes Leid erfahren. Als Mutter ist die Vorstellung kaum zu ertragen, das eigene Kind auf so sinnlose, brutale, vermeidbare Weise zu verlieren. Wir sehen es immer wieder: Nach dem Schock und den unendlichen Tränen kommt oft eine riesige Wut bei trauernden Soldatenmüttern. Sie sind es, die sich in vorderster Front gegen den Krieg engagieren.

Ich kann nur hoffen, so bitter das ist, dass alle Frauen in Russland, denen dieser Krieg das Liebste genommen hat, gemeinsam mit anderen Angehörigen sehr wütend und sehr laut werden. So laut, dass dem Kriegstreiber im Kreml, oder wo er sich sonst gerade aufhält, die Ohren dröhnen – beziehungsweise, wenn Präsident Putin tatsächlich vollkommen taub ist in Sachen Humanität, sich die russische Bevölkerung und die wirtschaftlichen Eliten gegen ihn und seinen Machtapparat auflehnen, damit dieser zerstörerische Wahnsinn im 21. Jahrhundert möglichst bald ein Ende hat!