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Der Boom der Shoppingcenter geht zu Ende

Rolltreppen im Einkaufszentrum City-Arkaden Wuppertal

Der Boom der Shoppingcenter geht zu Ende

Von Stephan Karkowsky

In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit 81 Shoppingcenter – so viele wie in keinem anderen Bundesland. Doch nun sagen Kölner Handelsforscher: Der Markt sei gesättigt, mehr passen nicht rein. Schon jetzt werde stärker in den Umbau der Center zu Eventarenen mit Gastronomie und Fitnesscentern investiert, als in Neubauten.

Der Boom der Shoppingcenter geht zu Ende

WDR 4 Zur Sache 14.05.2019 02:06 Min. Verfügbar bis 13.05.2020 WDR 4

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Wenn die Großnichte zu Besuch kommt in die große Stadt, dann hat sie meist zwei große Wünsche: Shoppen und Shoppen. Je größer das Shoppingcenter, desto besser. Gut, wenn es dort alles gibt, was es bei ihr zu Hause in der Kleinstadt auch gibt, nur: Mehr davon! Größer! Bunter! Lauter! Besser, wenn es es Flagshipstores und Markenoutlets gibt von Marken, die sie bislang nur bei Youtube und Instagram gesehen hat.

Natürlich wäre der beste Weg das Internet: Längst gibt es Apps, die Markenprodukte identifizieren und uns direkt auf die Seite der Onlinekaufhäuser leiten, inklusive Preisvergleich. So kauft der Onkel ein; aber das ist gar nix, glauben Sie mir, gegen einen Tagesausflug mit der Freundin ins Centro Oberhausen oder die Mall of Berlin. Der Besuch im Shoppingcenter ist ein Event wie für uns Ältere der Besuch im Theater. Denn nichts anderes sind die Shoppingcenter: Theater des Konsums.

Dass nun der Boom der Konsumtempel vorbei sein soll: Das lässt Menschen hoffen, die sich noch an die natürliche Ordnung menschlicher Siedlungen erinnern können – mit einem Marktplatz in der Mitte, wo Händler und Bauern aus der Umgebung ihre Waren feilbieten. Und mit vielen kleinen Fachgeschäften drum herum. Nennen Sie mich konservativ, aber was nutzen rausgeputzte Innenstädte, in denen jeder zweite Laden leer steht, weil es die Kunden in die neue Galerie zieht, die Passage oder schlimmer noch, das Shoppingcenter auf der grünen Wiese?

Heute gibt es dreimal so viele Shoppingcenter wie noch vor 25 Jahren. Und dass ihr Boom vorbei ist, bedeutet nicht das Sterben der Center: Es werden nur weniger neue gebaut. Wohin auch? Der Onlinehandel dagegen ist nicht durch Fläche begrenzt. Und weil er keine teuren Innenstadtmieten zahlen muss, ist er immer günstiger. Schon jetzt sollte man Pläne machen für ein Leben nach den Shoppingcentern, statt sie immer weiter auszubauen. Womöglich werden sie eines Tages nur noch Parkplätze sein für die Elektroautos der Lieferdienste. Bis der letzte Vorhang fällt im Theater des Konsums werden aber sicher noch viele Großnichten dort aufregende Stunden erleben.

Stand: 14.05.2019, 13:10