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Kommentar: Schwere mentale Last und die Pause für die Lust am Leben

Feuerwehr in Krisengebieten

Kommentar: Schwere mentale Last und die Pause für die Lust am Leben

Von Stephan Karkowsky

Folgt der Flut nun ein Coronaausbruch in den Hochwassergebieten? Das ist zumindest die Befürchtung der Landesregierungen bei uns in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz: Dass die vielen tausend Helfer eine neue Ansteckungswelle auslösen könnten. Als wären die Menschen nicht schon genug gebeutelt. Stephan Karkowsky mahnt zu mehr Gelassenheit:

Kommentar: Schwere mentale Last

WDR 4 Zur Sache 21.07.2021 01:37 Min. Verfügbar bis 21.07.2022 WDR 4 Von Stephan Karkowsky


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Man muss ja den Teufel nicht immer gleich an die Wand malen. Nach dem Motto: Ein Unglück kommt selten allein. Sich draußen anzustecken, ist nach wie vor sehr unwahrscheinlich. Den Helfern Angst zu machen, hilft niemandem.

Dass die Landesregierungen mobile Impfteams in die Hochwassergebiete schicken, soll vor allem sicherstellen, dass Menschen ihre bereits gebuchten Impftermine wahrnehmen können. Auch wenn Verkehrswege zerstört und Arztpraxen überschwemmt wurden.

Was nicht nur die Betroffenen vor Ort dringend brauchen, sondern wir alle, sind Pausen vom dauerhaften Katastrophenalarm. Ich verstehe jeden, der keine Flutbilder mehr sehen will, der die steigenden Corona-Inzidenzen ausblendet. Der einfach mal wieder seine Ruhe haben möchte, unbelästigt von schlechten Nachrichten.

Wir brauchen diese Auszeiten. Unsere Seele sehnt sich danach. Niemand sollte ein schlechtes Gewissen haben müssen, sich angesichts der Not auch mal zu entspannen. Lachen befreit, das sollte selbst für Ministerpräsidenten gelten dürfen.

Wenn wir es uns einfach mal zwischendurch gut gehen lassen, Freunde auf ein Getränk treffen, mal abschalten, spazieren gehen, wird unser Mitgefühl mit den Opfern dadurch nicht kleiner. Besonders nicht mit denen, die noch immer Angehörige und Freunde vermissen.

Vergessen wir also das Durchatmen nicht. Damit wir wieder Kraft tanken können. Die Probleme der Welt sind morgen nämlich auch noch da und wollen von uns bewältigt werden. Nur: Alles gleichzeitig und am Stück können wir das nicht schaffen. Dafür sind unsere Schultern zu klein. Sich das einzugestehen, auch das gehört zum Menschsein dazu.

Stand: 21.07.2021, 12:13