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Schwein gehabt! Das Tier soll schöner wohnen

Schweine im Stall

Schwein gehabt! Das Tier soll schöner wohnen

Von Katja Schwiglewski

Wie soll er aussehen, der Schweinestall der Zukunft? Das neue Konzept der NRW-Landesregierung verspricht mehr Tierwohl, will aber auch die Interessen der Branche und die Bedürfnisse der Verbraucher berücksichtigen. Tierschützer kritisieren seit Jahren, dass Mastschweine viel zu wenig Platz haben. Der Plan sieht doppelt so viel Raum vor wie bisher: Zwei statt ein Quadratmeter pro Tier. Rosige Zeiten in der Masttierhaltung?

Schwein gehabt! Das Tier soll schöner wohnen

WDR 4 Zur Sache 30.01.2020 02:13 Min. Verfügbar bis 29.01.2021 WDR 4


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Eine offene Verbindung zum Himmel, Grünanlagen und ein "Wühlgarten", dazu beheizte Liegebetten – klingt geradezu paradiesisch, was sich die Experten vom NRW-Landwirtschaftsministerium für das liebe Vieh so alles ausgedacht haben. Ich will den Verantwortlichen den guten Willen auch gar nicht absprechen. Bestimmt haben sie im Rahmen des Möglichen an allen Stellschrauben der Schweinemast gedreht. Aber ein Mastbetrieb ist und bleibt ein Ort der Fleischproduktion, da spielen wirtschaftliche Kriterien die Hauptrolle. Fröhlich herumtollen können die Schweine auch in diesem Premiumstall nicht. Da sollte man sich keine Illusionen machen.

Trotzdem wäre es ein Fortschritt, wenn aus dem geplanten Prototyp bei Bad Sassendorf ein Serienmodell für die deutsche Landwirtschaft werden würde. Wir werden in absehbarer Zeit kein Volk von Vegetariern und Veganern, auch wenn es sich aus verschiedenen Gründen lohnt, darüber nachzudenken, ob Fleisch, Schinken und Wurst jeden Tag auf den Teller gehören: Gesundheit, Klima, Tierschutz. Rund 6800 Schweinezuchtbetriebe mit fast sieben Millionen Schweinen gibt es in NRW. Die Nachfrage ist also offensichtlich da.

Erstaunlich, dass den meisten von uns der Appetit auf Schnitzel oder Bratwurst noch nicht vergangen ist. Wir vergessen schnell, nachdem wieder ein Lebensmittelskandal aufgeflogen ist, Stichwort Gammelfleisch, Stichwort Antibiotika-Rückstände. Wir schauen weg, weil wir lieber doch nicht so genau wissen wollen, unter welchen Bedingungen unsere Schlachttiere gehalten werden, obwohl wir ja eigentlich ein Herz für Tiere haben. Dafür schauen wir ziemlich genau hin, wenn es wieder schöne Sonderangebote für das Grillfest gibt und greifen zu.

Ganz klar: Wird der Schweinestall schöner, wird das Fleisch beim Metzger oder im Supermarkt teurer. Die Rede ist von 40 Cent pro Kilo. Alarm oder ok? Ein Kilo reicht immerhin für vier bis fünf Portionen. Ich habe mir fest vorgenommen, höhere Preise beim Fleisch zu akzeptieren, damit sich die Bedingungen in der Landwirtschaft verbessern. In diesem lebenswichtigen Bereich ist Geiz ungeil, finde ich.

Stand: 30.01.2020, 13:10