Kommentar: Mehr Schutz für Fußgänger und Radfahrer

Mehr Schutz für Fußgänger und Radfahrer

Kommentar: Mehr Schutz für Fußgänger und Radfahrer

Von Katja Schwiglewski

Für Autofahrer, die gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen, wird es ab heute richtig teuer. Wer eine Rettungsgasse blockiert, muss mit bis zu 320 Euro rechnen, dazu zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot. 100 Euro kann es kosten, auf Rad- oder Gehwegen zu parken und den Mindestabstand beim Überholen zu missachten. Und zu Fuß nach Hause gehen darf, wer innerorts 21 km/h zu schnell fährt.

Kommentar: Mehr Schutz für Fußgänger und Radfahrer

WDR 4 Zur Sache 28.04.2020 02:06 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 WDR 4

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Natürlich gibt es Gezeter und Empörung. Drastische Geldbußen und drohende Fahrverbote sind nicht lustig. Und wie schnell ist es passiert, dass der Tacho 21 Stundenkilometer zu viel anzeigt, wenn in der Stadt eine große Straße auf einmal zur Zone 30 wird. Aber ist es deshalb falsch, den Schutz von Fußgängern und Radfahrern durchzusetzen? Denn vor allem für sie sind die strengeren Verkehrsregeln gemacht.

Wenn ich morgens mit dem Auto zur Arbeit fahre, sehe ich an mehreren Stellen diese weiß lackierten Fahrräder am Straßenrand, mit einem Schild, das ich im Vorbeifahren nicht lesen kann, und Blumen davor. Jedes Mal denke ich dann eine Weile darüber nach, dass genau dort ein Radfahrer, eine Radfahrerin, tödlich verunglückt ist. Um so etwas zu verhindern, ist es nicht zu viel verlangt, langsam und umsichtig zu fahren. Abstand zu halten, nicht zu drängeln oder zu bedrängen, beim Abbiegen richtig zu gucken und, wenn nötig, in Ruhe zu warten.

Eigentlich Selbstverständlichkeiten. Aber mit welcher Selbstverständlichkeit sind manche Autofahrer immer noch unterwegs? Dass die Straße ihnen gehört. Irrtum. Die Straße, der öffentliche Raum, gehört allen, auch Fußgängern und Radfahrern. Den sportlichen Alten auf ihren Rennrädern, umweltbewussten Senioren auf E-Bikes, Frischluft- und Bewegungsliebhabern auf altmodischen Tretmühlen. Aber auch wackeligen Fußgängern mit Rollator, Müttern mit Kinderwagen, Kindern mit Rädchen.

Deshalb verstehe ich zwar den Ärger über jede Knolle – ich habe auch schon Verwarnungen und Bußgelder kassiert und mich über meine eigene Doofheit geärgert - aber ich verstehe nicht, wie man sich über klare Regeln und konsequente Sanktionen im Straßenverkehr aufregen kann. Wir erleben in der Corona-Krise gerade einen regelrechten Boom beim Radeln und Spazierengehen. Alle Welt entdeckt diese entschleunigte, unkomplizierte Art der Fortbewegung neu. Vielleicht bleibt das ja so, quasi als positives Erbe dieses Ausnahmezustands. Wenn die Straßen dann eines Tages wieder voller werden, ist Rücksicht ohnehin das Gebot der Stunde.

Stand: 28.04.2020, 13:10