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Kommentar: Ruheständler im Schuldienst

Ein älterer Lehrer mit grauen Haaren betritt ein Lehrerzimmer

Kommentar: Ruheständler im Schuldienst

Von Katja Schwiglewski

Was tun gegen den akuten Lehrermangel? Eine Möglichkeit ist es, Quereinsteiger einzustellen. Eine andere, pensionierte Lehrerinnen und Lehrer in den Schulbetrieb zurückzuholen. Die Zahl der aktivierten Ruheständler in NRW wächst: 2018 waren mehr als 900 Lehrkräfte im Einsatz, für die mit 66 noch lange nicht Schluss ist – fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren.

Kommentar: Ruheständler im Schuldienst

WDR 4 Zur Sache 12.03.2019 02:17 Min. WDR 4

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Es gibt solche und solche Lehrer. Für die einen ist der Beruf Berufung. Die anderen zählen kurz nach ihrer Verbeamtung schon die Tage bis zur Pensionierung.

Wer sich entscheidet, auf die alten Tage in den Schuldienst zurückzukehren oder den wohlverdienten Ruhestand zu verschieben, muss zur ersten Kategorie gehören. Von diesen Lehrern und Lehrerinnen, die sicher mit Herzblut und auf jeden Fall mit viel Erfahrung bei der Sache sind, können unsere Schulen nur profitieren.

Es wird so viel gejammert, über die schlechte Ausstattung, die Überlastung, den ganzen Ärger in den Schulen, so viel von Burnout im Lehrerberuf gesprochen. Pädagogen mit Idealismus kommen da einer Frischzellenkur gleich, selbst wenn sie 66 plus sind.

Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, erinnere ich mich an beides: an alte, verknöcherte Lehrer, bei denen wir heilfroh waren, als die endlich weg waren. Aber auch an charismatische ältere Lehrer, ohne die wir uns unseren Schulalltag gar nicht vorstellen konnten, Lehrer, die etwas zu erzählen hatten, Lehrer mit Persönlichkeit und einer natürlichen Autorität.

Der Abschied von ihnen hat wirklich ein bisschen wehgetan. Gleichzeitig hatten wir junge Lehrer, die in unseren Augen unfähig waren, die herumgeschrien haben und uns rein gar nichts vermitteln konnten. Sprich, das Alter der Person, die vorne steht, spielt nur eine Nebenrolle im Klassenzimmer.

Dazu kommt, dass die Lehrergeneration, die jetzt an der Schwelle zum Pensionsalter steht, die Zeitenwende zu modernen Unterrichts- und Erziehungsmethoden voll miterlebt hat. Lehrer Lämpel und Fräulein Rottenmeier gibt es nicht mehr. Mit Mitte 60 können Pauker heute ziemlich cool sein.

Ich finde es gut, wenn Lehrer und Lehrerinnen, die ihren Beruf lieben, weitermachen, so lange sie gebraucht werden. Und wenn der Nachwuchs an den Hochschulen in ausreichender Zahl bereit steht und die offenen Stellen mit qualifizierten jungen Lehrkräften besetzt werden können, dann sagen wir danke. Danke für den Einsatz in einem wichtigen und wahrlich nicht einfachen Beruf, der über die Zukunft unserer Gesellschaft ganz entscheidend mitbestimmt.

Stand: 12.03.2019, 13:10