Schnarchen

Kommentar: Schnarchen ist die Hölle

Stand: 20.01.2022, 13:10 Uhr

Kaum eingeschlafen, ist die Nacht schon zu Ende. Die Ursache ist nicht selten ein ausgewachsenes Sägewerk, das auf der anderen Bettseite seiner Arbeit nachgeht. Schnarchen ist weit verbreitet und eine der meist gehassten Lautäußerungen des Menschen. Ein Übel, das anscheinend nicht aus der Welt zu schaffen ist.

Von Ferdinand Quante

Kommentar: Schnarchen ist die Hölle

WDR 4 Zur Sache 20.01.2022 01:46 Min. Verfügbar bis 20.01.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Schnarchen ist die Hölle für jeden, der’s mit anhören muss. Ob ich Täter oder Opfer bin, behalte ich mal lieber für mich. Über die sexuelle Orientierung lässt sich heute leicht reden, übers Schnarchen eher nicht, jedenfalls gibt man nicht gerne zu, nachts das Todesröcheln eines Hirschbullen in Endlosschleife zu imitieren.

Komischerweise ist dagegen kein Kraut gewachsen. Rachenzäpfchen operieren, Nasengänge aufbohren, vorm Einschlafen den Mund verkleben – am Ende nützt alles nichts und der Terror geht munter weiter. Wozu eigentlich? Aus evolutionärer Sicht muss die Schnarcherei ja für irgendwas gut sein. Falls der Urmensch dem Höhlenbären signalisieren wollte: Hau ab, das Erdloch ist schon besetzt – okay, vielleicht hat das tatsächlich funktioniert. Nur kommen Höhlenbären heute seltener vor als Ehepartner, die unter dem nervtötenden Gedröhne still verzweifeln.

Denn das Perfide am Schnarchen ist natürlich diese vorgetäuschte Unschuld. Daliegen wie ein Neugeborenes, die Äuglein friedlich geschlossen, aber dazu akustisch randalieren, ohne selbst das Geringste davon mitzukriegen – das ist schon der Gipfel der Bosheit, der Ungerechtigkeit. Kein Wunder, dass der vom Schnarchen zermürbte Bettpartner oft drauf und dran ist, das Sägewerk mit einem Kissen kurzerhand auszuschalten. Ob’s Mord oder Notwehr wäre? Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur nur: Die Pandemie, die wird verschwinden, das Schnarchen aber hat kein Ende. Es sei denn, die Medizin versucht noch mal was und der Gesundheitsminister treibt es voran.

Karl Lauterbach, übernehmen Sie!