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Kommentar: Schluss mit der Bahn-Privatisierung

Reginonalbahn

Kommentar: Schluss mit der Bahn-Privatisierung

Von Jörg Brunsmann

Die Deutsche Bahn ist im Moment ganz schön unter Druck. Viele Züge funktionieren nicht richtig und immer öfter gibt es Verspätungen oder Ausfälle. Die Bahn selbst macht sich auch nicht nur Freunde – nächstes Jahr wird das Wochenend-Ticket abgeschafft. Und im Moment gibt es Probleme bei der Buchung; wer im Internet eines der beliebten Sparpreis-Tickets bestellt, kann das Geld nicht vom Konto abbuchen lassen: Da gab es zuletzt wohl häufig Probleme mit Betrügern. Jörg Brunsmann findet in seinem Kommentar "Zur Sache": Die ganzen Probleme zeigen vor allem eins – die Privatisierung der Bahn ist ein Irrweg.

Kommentar: Schluss mit der Bahn-Privatisierung

WDR 4 Zur Sache | 20.12.2018 | 02:04 Min.

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"Alles wird besser – und zwar für alle" – das war immer die Idee hinter den großen Privatisierungen. Bei der Bahn ist das gründlich in die Hose gegangen. Das große Ziel war es, die Bahn an die Börse zu bringen - aber davon spricht schon gar keiner mehr. Dafür hat bei der Bahn all das Einzug gehalten, was moderne Unternehmen unter "Optimierung" verstehen: Alles was nicht direkt Geld bringt, wird weggestrichen oder ausgelagert; "outsourcing", wie die Manager sagen. Das Ergebnis kann man sich heute jeden Tag angucken: Züge und Schienen, die auf Verschleiß gefahren werden, Bahnhöfe, in denen es mehr Läden gibt als Gleise und Mitarbeiter, die sich in einem seelenlosen Konzern wiederfinden, der mit dem Familien-Gefühl von früher so gar nichts mehr zu tun hat. Heute ist die Bahn ein Unternehmen, das nicht nur von den üblichen Verdächtigen kritisiert wird. Der frühere Bahnchef Rüdiger Grube wird mit den Worten zitiert, er schäme sich, wenn er teilweise die schlechten Leistungen der Bahn erlebe, auch weil er acht Jahre an der Spitze des Konzerns gestanden hat.

Aber woran liegt es? Die Bahn versucht so verzweifelt, Geld zu verdienen, dass sie wohl ganz vergessen hat, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Menschen und Waren von A nach B zu transportieren. Wer sich anschaut, wie unzuverlässig viele Züge fahren – und dann ausrechnet, was man trotzdem für die Fahrkarte bezahlen muss, der nimmt lieber das eigene Auto. Trotz des Staus, dem man heute im Alltag kaum entgehen kann. Sinn macht das nicht. Wir wollen saubere Luft in den Städten, wir wollen das Klima schonen und nicht mehr so viel Zeit im Stau verbringen? Ich glaube, Bus und Bahn könnten einiges dazu beitragen – aber sie sind nicht konkurrenzfähig. Und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen der Privatisierung.

Es wird Zeit, dass wir anders rechnen. Der öffentliche Verkehr braucht mehr Geld – und er muss für uns Nutzer flexibler und billiger werden. Was kostet es, alle Straßenbrücken in NRW zu sanieren und die Schlaglöcher zu stopfen? Und wieviel länger würden Brücken und Straßen halten, wenn mehr Menschen eben nicht auf das Auto sondern auf Bus und Bahn setzen würden?

Vielen Unternehmen hat die Privatisierung gut getan; es hat sie flexibler und konkurrenzfähiger gemacht. Der Bahn aber hat sie bisher vor allem geschadet. Obwohl das – angeblich – doch keiner wollte.

Stand: 20.12.2018, 13:10