Tanksäule

Kommentar: Schleichen für den Frieden und das Portemonnaie

Stand: 14.03.2022, 13:10 Uhr

Russlands Krieg gegen die Ukraine treibt die Rohölpreise in die Höhe und befeuert die Inflation. So vieles ist in den letzten drei Wochen teurer geworden, doch am spürbarsten ist der Preisanstieg an der Zapfsäule. Autofahren kostet jetzt richtig viel. Man bemerkt es im eigenen Portemonnaie, aber auch auf den Straßen. Was man da erlebt, hat aber wohl nicht nur mit den kletternden Spritpreisen zu tun.

Von Ferdinand Quante

Schleichen für den Frieden

WDR 4 Zur Sache 14.03.2022 01:51 Min. Verfügbar bis 14.03.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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"Ja sag mal, das war ja heute richtig leer in der Stadt. So gut komme ich sonst nie durch." Ich habe mich auch gewundert, wie früh meine Frau nach der Arbeit zu Hause ankam, letzten Donnerstag war das. Und gestern praktisch dasselbe auf der Autobahn. Sonntags um fünf ist die A1 gewöhnlich ganz schön dicht, praller Nachmittagsverkehr inklusive Stau, aber nix da! Von Dortmund nach Köln flutschte man so durch.

Und es waren nicht nur erkennbar weniger Autos unterwegs, sie hatten es auch gar nicht eilig. 90 oder 100 km/h, das waren wohl die beliebtesten Geschwindigkeiten, auf der rechten Spur herrschte regelrecht Gedränge. Na klar, bei den Spritpreisen, der Liter Super um 2,30 Euro. Da fährt man sparsam oder lässt das Auto lieber gleich stehen, da bilden sich auch mehr und mehr Fahrgemeinschaften, und deshalb ist weniger los auf den Straßen, man kommt besser durch.

Alles eine Frage des Geldes? Vielleicht nicht. Jedenfalls bilde ich mir gerne ein, dass viele jetzt über die Autobahn schleichen auch wegen Russland oder besser gesagt: gegen Russland. Ein Drittel unseres Rohöls kommt von dort, und mit jedem gekauften Liter finanziert Deutschland den blutigen Krieg. Spritsparend fahren also auch als Zeichen des Protests gegen den Krieg, als Zeichen wohl auch an die eigene Regierung: Kein Öl mehr aus Russland! Und auch kein Gas, wie das Zehntausende am Wochenende auf Demonstrationen gefordert haben.

In den Wohnungen könnte es dann kalt werden und Autofahren noch teurer. Laut Umfrage ist mehr als die Hälfte der Menschen im Lande bereit, das hinzunehmen – gegen den Krieg und für die Ukraine.