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Kommentar: Die Gewalt gegen Schiedsrichter ist unerträglich

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Kommentar: Die Gewalt gegen Schiedsrichter ist unerträglich

Von Ferdinand Quante

Eigentlich ist der Fußballschiedsrichter Luft, denn auf dem Platz hat er nur über die Einhaltung der Regeln zu wachen. Weshalb es aber oft ganz schnell ganz dicke Luft gibt. Spieler schreien, Zuschauer flippen aus, wenn der Schiri angeblich falsch gepfiffen hat. 685 Amateurfußballspiele wurden in der vergangenen Saison abgebrochen, weil die Referees bedroht oder geschlagen wurden. An diesem Wochenende traten die Schiedsrichter in der Kreisliga Köln deshalb in den Streik. Ein Kommentar von Ferdinand Quante.

Kommentar: Die Gewalt gegen Schiedsrichter ist unerträglich

WDR 4 Zur Sache 18.11.2019 02:10 Min. Verfügbar bis 17.11.2020 WDR 4

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Ich frag mich sowieso, was jemanden antreibt, am Wochenende bei Wind und Wetter auf dem Kreisligafußballplatz zu stehen und für rund 25 Euro zu riskieren, dass einen Leute mit wutverzerrten Gesichtern anschreien oder gnadenlos verprügeln. Es muss so was wie Liebe zum Fußball sein, jedenfalls Freude am Spiel, rein theoretisch. Denn praktisch dürften viele Hobbyschiedsrichter inzwischen froh sein, wenn sie mit heiler Haut nach Hause kommen.

Da dies hier ein Kommentar zur Gewalt gegen Schiedsrichter ist, muss ich natürlich über die Ursachen der Gewalt sprechen. Das ist schwer. Die Statistik meldet ja, dass die Zahl der Gewaltverbrechen in Deutschland rückläufig ist, die Aggression, sagt mir allerdings mein Gefühl, hat zugenommen. Durchs Internet branden die Hasswellen, die Hemmschwelle für schwerste Beleidigungen ist gesunken, und vielleicht ist es tatsächlich so, dass digitale Shitstorms eben auch analoge Pöbeleien nach sich ziehen.

Wobei Hass auf den Schiedsrichter ja grundsätzlich nichts Neues ist. Ein unberechtiger Elfer konnte schon immer ein ganzes Stadion zum Kochen bringen. Wenn früher der Schiri pfiff und auf den Punkt zeigte, gab es zwingend Elfmeter. Mit Einführung des Videobeweises in der Bundesliga ist das aber nicht mehr so. Seine gottvatergleiche Stellung auf dem Platz hat der Schiedsrichter verloren, er ist offiziell schwächer geworden, angreifbarer. Womöglich gehen auch deshalb einige Idioten schneller auf ihn los.

Was gerade in den untersten Fußballligen besonders bescheuert ist. Denn hier muss man mit Fehlentscheidungen doch unbedingt rechnen, oder kann mir jemand sagen, warum der Kreisligaschiedsrichter an der Pfeife zehnmal besser sein sollte als der Kreisligaspieler am Ball?

Nur helfen solche Fragen den Hobbyschiedsrichtern am Ende ja auch nicht weiter. Sie kann man nur schützen, indem man Angreifer konsequent bestraft, mit Platzsperren zum Beispiel für Wochen und Monate oder ein Leben lang.

Ob das tatsächlich wirkt? Gewalt ist schwer einzudämmen. Und im Fußball, wie man seit langem weiß, ganz besonders.

Stand: 18.11.2019, 12:30