Kommentar: Wer hat Angst vor der bösen Sabine?

Ein Baum liegt auf einer Straße und versperrt einem Auto den Weg

Kommentar: Wer hat Angst vor der bösen Sabine?

Von Stephan Karkowsky

Sturmtief Sabine hat Deutschland ordentlich durchgelüftet. Große Schäden aber blieben aus. Die Bahn und einzelne Fluggesellschaften hatten sich auf Schlimmeres vorbereitet. War es übertrieben, Bahn- und Flugverkehr einzustellen und die meisten Schulen zu schließen? Stephan Karkowsky sieht darin ein Zeichen zunehmender Verunsicherung.

Kommentar: Wer hat Angst vor der bösen Sabine?

WDR 4 Zur Sache 11.02.2020 01:52 Min. Verfügbar bis 10.02.2021 WDR 4

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Wer dieser Tage Alarm schlägt, wird gehört. Wer Dinge versachlicht oder in Relation setzt, gilt dagegen schnell als Verharmloser. Denken Sie etwa an die Corona-Epidemie: Kaum war ein erster Fall aus Deutschland bekannt, waren in vielen Apotheken die Atemmasken ausverkauft. 14 Deutsche haben sich bis heute angesteckt, keiner ist gestorben.

Zum Vergleich: Die echte Grippe hat im Winter 2017/18 rund 25.000 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Niemand hat deshalb Städte abgeriegelt. Niemand vor dem Kauf deutscher Waren im Ausland gewarnt. Sind wir nun plötzlich ein Volk von Hysterikern geworden?

Ich bin Montagmorgen von Berlin nach Köln geflogen. Zugegeben: Die Landung war mehr als wackelig. Es war der erste Flug nach 16 Stunden Sturmsperre. Aber auch Piloten sind nicht lebensmüde. Darauf habe ich vertraut. Dieses Vertrauen scheint vielen abhandengekommen zu sein. Zu oft regiert die Angst mit.

Angst aber ist ein schlechter Ratgeber. Angst steigert unsere Bereitschaft, persönliche Freiheitsrechte aufzugeben. Warum etwa sollte ich nicht nach China reisen dürfen, in ein Riesenland mit fast anderthalb Milliarden Menschen? Auch dort ist die Corona-Gefahr minimal. Eher sterben Sie in China bei einem Verkehrsunfall oder an Tuberkulose, als an der Wuhangrippe.

Warum sollte ich nicht selbst entscheiden dürfen, ob ich das Risiko einer Bahnfahrt eingehe? Oder ob ich meine Kinder zur Schule schicke? Angst ist der Nährboden für Verbote. Warnungen sind richtig und Aufklärung wichtig. Aber Aufklärung muss nicht nur warnen, sondern bei Bedarf auch entwarnen dürfen. Laut Jörg Kachelmann war Sabine –Zitat – "ganz normales Wetter für die Jahreszeit".

Im Umgang mit Sabines Nachfolgern könnte etwas mehr Gelassenheit nicht schaden.

Stand: 11.02.2020, 13:10