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Kommentar: Rüdiger Nehberg – Ein Leben für das Abenteuer

Der deutsche Survival-Experte und Aktivist für Menschenrechte, Rüdiger Nehberg, liegt in einem Wald auf seinem Privatgrundstück neben einem selbst entfachten Lagerfeuer.

Kommentar: Rüdiger Nehberg – Ein Leben für das Abenteuer

Von Jörg Brunsmann

Rüdiger Nehberg ist tot. Am Mittwoch ist er im Alter von 84 Jahren gestorben. Und wird vielen in Erinnerung bleiben. Nehberg war so etwas wie der Erfinder des Outdoor-Lebens. Im Dschungel klarkommen, im Eiswasser baden – und sich von nichts im Leben unterkriegen lassen. Ein gutes Motto auch für unsere Zeit, findet Jörg Brunsmann.

Rüdiger Nehberg – Ein Leben für das Abenteuer

WDR 4 Zur Sache 03.04.2020 01:53 Min. Verfügbar bis 03.04.2021 WDR 4

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Kann es sein, dass Rüdiger Nehberg ziemlich bekloppt war? Also bekloppt im positiven Sinne? Ich meine, das muss man sich mal vorstellen. Bielefeld in den 1950er Jahren. Der Krieg noch in schlimmer Erinnerung, die Menschen sind froh, wenn sie ein trockenes Dach über dem Kopf und jeden Tag genug zu essen haben. Und dann kommt so ein Jungspund, ein 16-Jähriger, und sagt: "Ich will aber raus in die Welt" – und macht sich dann mit dem Fahrrad tatsächlich auf den Weg. Wer die Mentalität der Ostwestfalen kennt, der weiß: Dafür musste er sich bestimmt den ein oder anderen Spruch gefallen lassen.

Aber genau das scheint Rüdiger Nehberg nie gestört zu haben. In der Wildnis übernachten, selbst Feuer machen und von dem leben, was man in der Natur findet. Wer braucht das, wo es doch Zentralheizung, bequeme Sofas und die immer gut gefüllten Regale der Supermärkte gibt? Nein, bei dem, was Nehberg da gefunden hat, das Outdoor-Leben, das Sichanpassen an die Natur, ging es nie darum, ein möglichst bequemes Leben zu führen. Sondern einfach nur mit dem klarzukommen, was die Natur bietet. Dazu kam, dass Nehberg offenbar auch ein ziemlicher sturer Kopf war. Da kam dann wohl doch der Ostwestfale wieder durch. Was er sich einmal vorgenommen hatte, dafür setzte er sich ein – über Jahre und gegen Widerstände oder auch nur die Gleichgültigkeit anderer Menschen. Sei es, dass er sich für den Schutz der Yanomami-Ureinwohner in Südamerika stark machte oder – in den letzten Jahren – gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen in vielen Ländern einsetzte.

Das besondere an Nehberg ist, dass er kein weltfremder Spinner war, der irgendwelchen komischen Ideen nachging – sondern jemand, der offenbar mit beiden Beinen im Leben stand und neugierig gucken wollte, was ihm dieses Leben wohl zu bieten habe. Sich nicht ängstlich verkriechen und von der Welt nichts wahrnehmen, sondern sich Herausforderungen stellen und gucken, wie man damit klarkommt.

Ich finde, so ein Lebensmotto passt hervorragend in die Zeit, die wir gerade erleben.

Stand: 03.04.2020, 13:10