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Kommentar: Die Wirtschaft geht in die Knie – den Machern geht es schlecht

Deutsche Wirtschaft bricht ein

Kommentar: Die Wirtschaft geht in die Knie – den Machern geht es schlecht

Von Irene Geuer

Seit heute wissen wir, was ein historischer Absturz ist. So wird der Einbruch des Bruttoinlandproduktes, also der deutschen Wirtschaft genannt. Der stärkste Rückgang der wirtschaftlichen Leistung seit 1970. Der Grund: Covid-19. Die Pandemie hat große Auswirkungen auf die Unternehmen in Deutschland. WDR 4-Autorin Irene Geuer sagt: Achtung, auch hier könnten, wie im menschlichen Körper, lebenswichtige Organe versagen.

Kommentar: Die Wirtschaft geht in die Knie – den Machern geht es schlecht

WDR 4 Zur Sache 30.07.2020 02:01 Min. Verfügbar bis 30.07.2021 WDR 4 Von Irene Geuer

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Es hat mir die Tränen in die Augen getrieben: Der Besitzer eines kleinen Restaurants, hier im Viertel, völlig fertig. Er steht zwischen den leeren Tischen und lacht hysterisch. So viele Jahre hatte er sich durchgekämpft, gegen Konkurrenz, gegen neue Nachbarn, die meinten, das Lokal sei zu laut, gegen neue, neue Nachbarn, die meinten, aus seinem Lokal kämen üble Gerüche. Stimmte alles nicht, dieser Mann hatte die üblichen Probleme, die Restaurantbetreiber haben. Und er hat sie gut gemeistert. Aber nun ist Corona da und dieses Virus lässt es nicht zu, mit Freibier oder mit einem riesigen Rabatt auf Tapas die Nachbarn freundlich zu stimmen. Corona wirkt in der Wirtschaft genauso wie im menschlichen Körper. Manche spüren gar nichts oder kaum etwas, das sind z.B. Beamte, Müllwerker oder Apothekerinnen. Dann gibt es diejenigen, die Symptome zeigen: Reisebüros, Restaurants oder Kinos. Aber die können auch schnell ein Fall für die Intensivstation werden.

Es droht Organversagen in unserer Wirtschaft. Jetzt kommt es darauf an, ob die Politik es hinbekommt, wie die Ärzte mit den Kranken in den Kliniken. In der Zeitung stand heute, dass die Krankenversorgung in der Lombardei so schlecht war, dass Patienten, die älter als 75 waren, nicht mehr beatmet wurden. Genau diese Gruppe hat Deutschland nicht im Stich gelassen, für jeden gab es ein Beatmungsgerät, für jedes Leben wurde bis zuletzt gekämpft. So muss es auch mit dem Kinobetreiber laufen, mit dem Messebauer, mit der Buchhändlerin.

Aber auch hier gilt: Wer Vorerkrankungen hat, wem es also bereits vor der Pandemie unternehmerisch nicht gut ging, der wird jetzt möglicherweise diese große Krise schwerlich überstehen oder sogar nicht überleben.

Ich kann die Verzweiflung so gut verstehen, die gerade aufkommt. Denn manche sehen bereits jetzt, dass sie es bis zum Jahresende nicht schaffen werden. Ich kann auch ihre Forderung verstehen, sämtliche Besucherbeschränkungen und Hygieneregeln aufzugeben. So wie Schweden es gemacht hat. Auch dort gibt es wirtschaftlichen Schaden, aber nicht so hoch wie in Deutschland. Dafür sind in Schweden mehr Menschen gestorben. Will man das? Die Schweden lassen derzeit ihre Corona-Strategie untersuchen, weil auch sie erkannt haben, dass Wirtschaft nicht alles ist. Wir sollten es umgekehrt tun, und untersuchen, was besser gemacht werden kann, damit wir mehr schaffen als ein reines Überleben.

Stand: 30.07.2020, 13:10