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Helfer stapeln Kartons mit Spenden

Kommentar: Spenden, aber richtig

Stand: 01.03.2022, 13:10 Uhr

Sie kommen – die ersten Flüchtlinge sind in Bussen unterwegs in Richtung Nordrhein-Westfalen. Viele Städte haben Unterkünfte vorbereitet, Betten aufgestellt, gefegt und Spenden auf die Zimmer verteilt. Wenn Sie WDR-Fernsehen geguckt haben, dann haben sie gesehen, da kommt eine Menge zusammen. Das ist toll, sagt Irene Geuer in ihrem Mittagskommentar, und trotzdem sind diese Spenden nicht immer gut.

Von Irene Geuer

Kommentar: Spenden, aber richtig

WDR 4 Zur Sache 01.03.2022 01:36 Min. Verfügbar bis 01.03.2023 WDR 4 Von Irene Geuer


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Ich bin erstaunt, wie viel hier immer an Sachspenden zusammenkommt. Das war schon 2015 so, als sich Flüchtlinge nach Deutschland retteten. Das war auch nach der Hochwasserkatastrophe im vergangenen Sommer nicht anders. Kistenweise Klamotten, Spielzeug für die Kinder, Küchengeräte pipapo. Alles wurde an die Ahr gefahren oder nach Erftstadt, in die zerstörten Gebiete, um verteilt zu werden.

Unsere Keller und Dachböden müssen Orte sein, die sich von selbst immer wieder auffüllen. Unerschöpfliche Pfründe für Second Hand. Kaum ist da was leer geräumt, sammeln sich die Dinge wieder an. Zauberei, mag man meinen. Aber nein, dahinter steckt, dass man nicht gut etwas wegwerfen kann. Der alte Fernseher – wer weiß, wenn der neue mal kaputt geht, dann haben wir noch einen. Mmmmmhhh, die Hose die "zu klein" geworden ist, kann man wieder anziehen, wenn man selber wieder "kleiner" geworden ist … um den Bauch herum … Und am Po…

Passiert das, nein. Und das ist auch gar nicht schlimm, weil es immer wieder diese Ereignisse gibt, bei denen die Keller- und Dachbodendinge eine gute Verwendung finden.

Und überhaupt: Es ist nachhaltig und klimaschonend, wenn man nicht alles wegwirft, sondern weitergibt.

Und doch gibt es dieses Aber, das dringend auch gesagt werden muss: Nicht jeder olle Pulli gehört in den Spendensack. Und auch nicht das Spielzeugauto mit drei Rädern. Alles dagewesen, wie auch die gebrauchte Unterwäsche, und ich finde das unanständig. Wer Spenden zur Müllentsorgung nutzt, hat was nicht verstanden. Die Menschen, die kommen, brauchen das Gefühl von Sicherheit und Gastfreundschaft. Und vielleicht einfach auch mal Geld, um sich ein paar ordentliche Schuhe selber kaufen zu können. Das hat für mich was mit Menschenwürde und Achtung zu tun.