Außenministerin Baerbock vor UN-Vollversammlung

Kommentar: Weltgemeinschaft verurteilt russische Invasion

Stand: 03.03.2022, 13:10 Uhr

Was sich gestern am Sitz der Vereinten Nationen in New York abgespielt hat, ist beispiellos: 141 Staaten haben einer Resolution zugestimmt, die den Angriff Russlands auf die Ukraine "auf das Schärfste" verurteilt – weit mehr als bei früheren Konflikten dieser Art. Nur fünf Länder lehnen den Beschluss ab, darunter Russland selbst und Belarus als enger Verbündeter in diesem Krieg. Damit setzt die Weltgemeinschaft ein beeindruckendes Zeichen gegen Putins Aggression. Dazu der Kommentar von Katja Schwiglewski.

Von Katja Schwiglewski

Kommentar: Weltgemeinschaft verurteilt russische Invasion

WDR 4 Zur Sache 03.03.2022 01:56 Min. Verfügbar bis 03.03.2023 WDR 4 Von Katja Schwiglewski


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Wenn ich Wladimir Putin wäre – eine unangenehme Vorstellung zugegeben – dann würde ich mir jetzt Gedanken machen, wer eigentlich noch zu meinen Freunden gehört auf dieser Welt. Das sind nämlich nicht mehr so viele. Auf den belarussischen Diktator Lukaschenko kann sich Putin verlassen. Der stellt sich und sein Land ganz in den Dienst dieses Krieges. Und sonst? Nordkorea, Eritrea und Syrien, das sind die drei illustren Schurkenstaaten, die als einzige mit Russland und Belarus gegen die Resolution gestimmt haben, Länder, in denen ein brutales Unterdrückungsregime herrscht.

141 Staaten der Weltgemeinschaft zeigen Russland die rote Karte. Und Präsident Putin sollte besser nicht davon ausgehen, dass die Staaten, die sich bei der Dringlichkeitssitzung der UNO-Vollversammlung enthalten haben, darunter China und Indien, sein Vorgehen insgeheim billigen. Gerade bei den Chinesen dürfte es mit der Länderfreundschaft schnell vorbei sein, wenn der internationale Handel durch Moskaus Amoklauf massiv gestört wird, und genau das zeichnet sich ja ab.

Das starke Votum der Vereinten Nationen gegen Putins Krieg kann als historisch bezeichnet werden. Auch wenn es den russischen Präsidenten im Moment nicht stoppen kann, ich halte es trotzdem keineswegs für wirkungs- und wertlos. Die weltweite Solidarität ist gewachsen unter dem Druck dieser schlimmen Ereignisse. Wir erkennen, dass Frieden, Demokratie und Wohlstand keine Selbstverständlichkeiten sind. Dass diese Werte, ohne die wir uns gerade in Deutschland ein lebenswertes Leben kaum vorstellen können, notfalls wehrhaft verteidigt werden müssen. Es ist die Zeit, Haltung zu demonstrieren, aber auch Hilfsbereitschaft. Beides erleben wir gerade auf allen Ebenen, in der Politik und bei den vielen Menschen überall auf der Welt, die diesen Krieg zutiefst verachten.