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Kommentar: Platz da!

Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng auf dem Spielfeld

Kommentar: Platz da!

Von Ferdinand Quante

Damit hatten die drei Fußballweltmeister wohl eher nicht gerechnet: dass sie schlicht aus der Nationalmannschaft geworfen werden, um jüngeren Spielern eine Chance zu geben. Die Verwunderung ist groß. Denn dass Ältere für Jüngere Platz machen, ist in unserer Gesellschaft ja nicht gerade die Regel. Leider.

Kommentar: Platz da!

WDR 4 Zur Sache 06.03.2019 02:16 Min. WDR 4

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Drei traurige Fußballer hat das Land. Sie wurden aussortiert, nachdem sie jahrelang getan haben, was sie konnten, und das war spitzenmäßig gut. Ohne Hummels, Müller und Boateng wäre Deutschland 2014 nicht Weltmeister geworden. Ihre große Zeit ist aber nun mal vorbei, im Fußball heißt das: abtreten, ob freiwillig oder nicht.

Im wirklichen Leben sieht’s freilich anders aus. Der alte Firmenpatriarch, der den Chefsessel nicht räumen will, ist tausendfache Realität; wie frisch und jugendlich die Spitzenkräfte der katholischen Kirche sind, zeigt jedes Foto einer Kardinalsversammlung, und überhaupt kleben die Älteren in unserer Gesellschaft ziemlich fest auf ihren oberen Plätzen, was ja ein Grund dafür ist, dass es die Generation Praktikum überhaupt gibt.

Ich will hier gar nicht das hohe Lied auf die Jugend singen. Im Jungsein liegt nicht die Wahrheit, so wenig wie Altsein Weisheit garantiert. Ich sehe halt nur, welche Schwierigkeiten die Achtzehn-, Zwanzig-, oft Dreißigjährigen haben, einen regelgerecht bezahlten, unbefristeten Job zu finden, den die Älteren in der Regel ganz selbstverständlich haben und verteidigen. Nicht nur, weil sonst am Ende die Rente nicht reicht, sondern auch aus Misstrauen gegen die Jungen. Sind die nicht weitgehend ahnungslos, fehlt ihnen nicht der reiche Schatz an Erfahrungen, den wir Älteren naturgemäß haben?

Dass auf die Erfahrungen der Altvorderen gepfiffen ist, sollte die Generation Ü-60 eigentlich wissen, die ja selbst einmal jung war und die Belehrungen der Eltern, Onkel und Tanten damals nicht unbedingt als Evangelium begriff. Nein, die Jugend will ihre eigenen Erfahrungen machen und weiß es oft besser. Wie wir Alten mit Luft und Erde umgehen, erklärt uns gerade die 16-jährige Greta Thunberg, und der Hambacher Forst ist nicht von reifen Männern mit grauen Schläfen gerettet worden.

Drei traurige Fußballer hat das Land. Sie wurden aussortiert, um jüngeren Spielern Platz zu machen. Ich kann das verstehen. Dass der alte Trainer, der die letzte WM verbockt hat, aber bleibt, ist mir ein Rätsel.

Stand: 06.03.2019, 13:10