Putin und Macron am langen Tisch im Kreml

Kommentar: Putin und Macron am langen Tisch

Stand: 09.02.2022, 13:10 Uhr

Das Bild ging um die Welt: der russische Staatspräsident Wladimir Putin empfängt im Kreml den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Anlass der Zusammenkunft: der schwelende Ukraine-Konflikt. Kommt es zum Krieg, oder gibt es eine diplomatische Lösung? Das Bild zeigt die beiden Politiker an einem Tisch, einem Riesentisch, der so einiges über die gegenwärtige politische Lage verrät. Ferdinand Quante versucht, die außergewöhnliche Szenerie im Kreml für uns zu deuten.

Von Ferdinand Quante

Kommentar: Putin und Macron am langen Tisch

WDR 4 Zur Sache 09.02.2022 01:49 Min. Verfügbar bis 09.02.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Wenn ich das Bild sehe, muss ich lachen. Der Tisch ist einfach so absurd lang. Putin am einen Ende, Macron weit, weit entfernt am andern. Auch wenn die beiden keinen Mundschutz tragen – ein Abstand von schätzungsweise 8,50 m ist schon ziemlich übertrieben. Keine Ahnung, wie Putin und Macron auf die Entfernung miteinander geredet haben, aber ohne Megafon dürfte das kaum geklappt haben.

Genau darum ging’s Putin ja: zu zeigen, wie weit die beiden Lager im Ukraine-Konflikt auseinander sind. Die Verständigung im Moment: ziemlich schwierig. Und damit auch der Dümmste die aktuelle Krisensituation kapiert, sind die Fenstervorhänge zugezogen: Lichtblicke gibt es nicht.

Politik hantiert ja gerne mit Symbolen, aber der Tisch, vor allem dieser Tisch ist so ziemlich das übertriebenste politische Supersymbol, das ich je gesehen habe. Fast schon ein Witz, aber Putin meint es wahrscheinlich bierernst. Und sieh mal einer an! So ausweglos ist die Lage gar nicht. Denn was steht da in der Mitte des Monstertisches? Kein Kranz aus dunklen Handgranaten, sondern tatsächlich ein kleines weißes Blumengesteck.

Ein Zeichen der Verbundenheit! Und sieht der leicht ovale Tisch nicht aus wie ein riesiges Baguette? Womit Putin dem Franzosen am Ende dann doch ein bisschen Freundschaft signalisiert hätte.

Der russische Machthaber will Verhandlungen statt Krieg – so könnte man die groteske Tischszene im Kreml deuten. Und solange Putin den nächsten westlichen Politiker nicht in einer Kältekammer empfängt, dürfen wir alle halbwegs beruhigt sein.