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Kommentar: Drohende Pleitewelle in der Gastronomie

Drohende Pleitewelle in der Gastronomie

Kommentar: Drohende Pleitewelle in der Gastronomie

Von Katja Schwiglewski

Angesichts gestiegener Infektionszahlen macht das böse L-Wort wieder die Runde: Lockdown. Ob "Lockdown light" oder ein kurzer, harter Lockdown auf allen Ebenen – davon, dass Kneipen und Restaurants bald wieder schließen müssen, ist möglicherweise auszugehen. Wird die Gastronomie die schwere Corona-Zeit überleben? Viele Gastwirte stehen längst vor der Pleite. Ein Jammer, meint Katja Schwiglewski in ihrem Kommentar.

Kommentar: Drohende Pleitewelle in der Gastronomie

WDR 4 Zur Sache 27.10.2020 01:59 Min. Verfügbar bis 27.10.2021 WDR 4


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Schon ziemlich lange her, dass Peter Alexander von der "kleinen Kneipe in unserer Straße" gesungen hat, diesem unspektakulären, aber behaglichen Ort im eigenen Viertel, "wo das Leben noch lebenswert ist". Die kleine Kneipe als Sinnbild für Gemütlichkeit und Geselligkeit, sie wird immer noch besungen und beschworen, gerne von heimatlich beseelten Karnevalisten beispielsweise. Dabei sind die traditionellen Dorfkneipen, Wirtshäuser und Ecklokale, in denen Menschen nach Feierabend wie in einem zweiten Wohnzimmer zusammenkommen, vielerorts schon längst verschwunden.

Das Kneipensterben und die Verödung der alteingesessenen Gastronomie sind keine Erscheinungen, die uns erst Corona gebracht hat. Aber jetzt geht es noch einmal so richtig bergab. Ich fürchte, dass ein neuerlicher Lockdown vielen Wirten endgültig das Genick brechen wird. Wie sollen sie ihren Betrieb mit Null-Einnahmen über die Runden bringen? Deshalb frage ich mich, ob es wirklich nötig ist, die Lokale zu schließen. Stecken sich Menschen in signifikanter Zahl mit dem Corona-Virus an, während sie unter Beachtung von Hygiene- und Abstandsregeln ein Bier, einen Kaffee oder eine Pizza zu sich nehmen?

Das müssen die Experten beurteilen, und wir sollten vorsichtig sein, keine Frage. Aber wir wollen nach der Pandemie doch wieder ein Leben führen, das lebenswert ist – und sich gelegentlich auch mal außerhalb der eigenen vier Wände abspielt! Wenn Restaurants, Kneipen, Bars und Cafés massenhaft sterben, verlieren wir einen wichtigen Teil unserer sozialen Infrastruktur. Sollte ein neuer Lockdown tatsächlich unvermeidlich sein, ist Solidarität gefragt. Wir könnten unsere Stammkneipe oder unser Lieblingsrestaurant unterstützen, indem wir uns Essen liefern lassen oder Gutscheine kaufen zum Beispiel. Und wenn der Lockdown vorbei ist, etwas häufiger hingehen als sonst. Das sollte uns die Kultur der Gastlichkeit wert sein. Denn ohne fehlt was. Definitiv.

Stand: 27.10.2020, 13:10