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Kommentar: Wo ist der Plan?

vollgestelltes Kinderzimmer, Spielzeug aus BRD und DDR

Kommentar: Wo ist der Plan?

Von Irene Geuer

Eigentlich soll es jetzt in der Politik ernst werden. Bundeskanzlerin Merkel hat es schon vor ihrem Urlaub angekündigt: In der Klimapolitik "kein Pillepalle" mehr. Das Wort steht im Duden und bedeutet: Kleinkram, Unwichtiges, Gleichgültiges. Aber was sich in den vergangenen Tagen in der politischen Landschaft abgespielt hat, könnte man durchaus als Pillepalle bezeichnen.

Kommentar: Wo ist der Plan?

WDR 4 Zur Sache 13.08.2019 02:04 Min. Verfügbar bis 12.08.2020 WDR 4

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Gestern treffe ich Nachbarin Gertrud, wie sie mit Handschuhen und Eimerchen feinsäuberlich die Kippen auf dem Gehweg einsammelt. Ich sage: Gertrud! Das ist aber toll, dass Du hier so für Ordnung sorgst. Gertrud grinst breit: "Ordnung? Quatsch. Ich werde demnächst reich. Auf Kippen soll es doch bald Pfand geben." Ja, die Politik überschlägt sich derzeit mit Ideen zum Thema Umwelt und Klima.

Gertrud schmeißt die Dinger in die Tonne und schaut mich ernst an. "Was soll das alles?", fragt sie. "Sind die in Berlin jetzt völlig durchgedreht?" Also: Für die Entsorgung von Wegwerfartikeln sollen demnächst die Produzenten bezahlen. Sagt Ministerin Schulze. Und Gertrud sagt: "Das zahlen wir." Dann soll ja überhaupt mehr Klimaschutz entstehen, aber es dürfen dafür keine neuen Schulden gemacht werden, auch so ein Plan. Und: Gleichzeitig soll der Soli in weiten Teilen abgeschafft werden. "Irene", rät sie mir: "Rechne nicht mit dem Geld vom Soli, das geht fürs Klima drauf."

Gertrud könnte Recht haben mit ihrer Prognose. Und wir sind uns einig. Klimaschutz kostet Geld, das ist nicht das Drama, das liegt in der Natur der Sache. Viele Dinge müssen wir ändern, um umweltfreundlicher leben und arbeiten zu können.

Gertrud und ich finden es viel schlimmer, dass die ganzen Ideen zum Klimaschutz nicht darauf hindeuten, als gäbe es ein Konzept. Die einen wollen Verbote, die anderen sagen: Nein, bloß nicht. Während Umweltministerin Schulze über den Tod der Plastiktüte nachdenkt, will Annegret Kramp-Karrenbauer der alten Ölheizung das Flämmchen auspusten. Und zwischendrin Entwicklungsminister Müller, der zur Rettung des Amazonas-Waldes aufruft. Im Hintergrund die Deutsche Umwelthilfe, die es aufs Feuerwerk abgesehen hat und, nicht zu vergessen, die Pläne für eine CO2-Steuer, die diskutiert werden wollen.

Mich überfordert das, weil ich keine Verbindung zwischen den Dingen sehe, keinen roten Faden. Vergliche man die derzeitige Politik mit einem Spielzimmer, würde man fragen: Wie sieht es denn hier aus? Alles aus den Regalen gerobbt, alles angefangen, nix zu Ende geführt. Als Mutter würde ich einen Brüll loslassen mit den Worten: Geht es noch? Ihr seid schon groß, lasst die Pillepalle bleiben. Tja, und damit sind wir bei der Einsicht: So richtig sortiert und im Ziel einig scheinen die Politiker das Thema Klimawandel noch nicht zu nehmen, sonst würden sie es anders anfangen, oder?

Stand: 13.08.2019, 13:10