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Pflege von Menschen

Kommentar: Pflege braucht uns alle

Stand: 12.05.2022, 13:10 Uhr

Heute ist Internationaler Tag der Pflegenden, also gewidmet fast 30 Millionen Menschen, die weltweit in der Pflege arbeiten. Wir haben aus Nordrhein-Westfalen viele zu Wort kommen lassen, die uns auch von wunderbaren Momenten ihrer Arbeit erzählt haben. Aber wir haben nicht über diejenigen gesprochen, die zu Hause Mutter, Vater oder beide pflegen. Das ist kein Hobby, sagt Irene Geuer in ihrem Kommentar hier auf WDR 4.

Von Irene Geuer

Kommentar: Pflege braucht uns alle

WDR 4 Zur Sache 12.05.2022 01:50 Min. Verfügbar bis 12.05.2023 WDR 4 Von Irene Geuer


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Ich kenne eine Familie, die hat den Großvater aufgenommen. Das war keine einfache Entscheidung, aber der Platz war da und sie alle haben sich getraut. Die Betonung liegt auf "alle". Denn jeder muss etwas geben, etwas loslassen, um etwas Neues zu gewinnen. Die Alten nehmen Abschied von ihrer Wohnung, vom autarken Leben. Die Jungen verlieren Spontaneität mit jemandem, der täglich Hilfe braucht. Man verliert Zeit für sich selbst und hat mehr Verantwortung. Anstrengend.

Meine Freundin erzählt mir aber auch, wie klasse es ist, dass Opa da ist und den Enkeln bei den Geschichtshausaufgaben hilft, die Kartoffeln mittags schon geschält sind, weil ihm das Spaß macht, und er die Pflege der Balkonblumen übernommen hat. Die sehen mittlerweile preisverdächtig aus. "Warum funktioniert das bei Euch?", habe ich gefragt. "Weil wir vorher ganz viel darüber gesprochen haben", sagt sie. Z.B. über Alltag. Der Opa schläft z.B. gerne aus. Also ist klar, Frühstück mit den Enkelkindern um halb sieben findet nicht statt, weil er dann keine gute Laune hätte. Er guckt sein Fernsehprogramm mit Kopfhörern, um nicht das ganze Haus zu beschallen. Alle achten Privatsphäre, anklopfen nicht einfach reingehen. Ganz wichtig! Besuch des anderen ist Besuch des anderen. Da setzt man sich nicht ungefragt dazu. Und und und. Feste Regeln, die für alle nicht mehr verhandelbar sind.

Die Familie hat auch herausgefunden, dass es viele Hilfen von den Pflegekassen gibt. Das ist toll, sagt meine Freundin, aber es braucht Zeit, um die passenden Angebote zu finden. Sie hat jetzt eine Haushaltshilfe und dadurch wieder mehr Zeit für sich. Sie hat Pflegedienste kennen- und schätzen gelernt. Profis, die ihr viele Tipps gegeben haben. Und all das zeigt mir, dass es auf alle ankommt, dieses schwierige Thema in Angriff zu nehmen und man im Grunde schon darüber anfängt zu sprechen, wenn Pflege noch nicht akut nötig ist. Gute Gespräche brauchen ihre Zeit.