Kommentar: Wählen wir Personen oder Programme?

Bundestagswahl: Scholz, Baerbock und Laschet im TV-Triell

Kommentar: Wählen wir Personen oder Programme?

Von Ferdinand Quante

Irgendwie ist es jetzt auch mal wirklich gut mit dem ganzen Fernsehwahlkampf. Nach zahlreichen Auftritten und TV-Berichten sind wir mit der Kandidatin und den Kandidaten fürs Bundeskanzleramt Baerbock, Laschet und Scholz doch langsam vertraut. Wir wissen, was sie zu sagen haben, wir konnten sehen, wie sie sich in Szene setzten. Wer das alles verfolgt hat, weiß eigentlich ganz gut Bescheid. Aber eine Frage, sagt Ferdinand Quante, stellt sich dann jetzt doch noch.

Kommentar: Wählen wir Personen oder Programme?

WDR 4 Zur Sache 21.09.2021 01:57 Min. Verfügbar bis 21.09.2022 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Was ist für uns Wähler vor einer Bundestagswahl wichtiger? Die politischen Programme der Parteien, oder sind es die Personen, die diese Programme vertreten? Naja, wenn wir alle bloß analytisch denkende Wesen wären, müssten die Programme maßgebend sein: die versprochenen Maßnahmen gegen den Klimawandel, Maßnahmen für eine stabile Wirtschaft, für eine sichere Rente und so weiter.

Jetzt, gegen Ende des Bundestagswahlkampfes, habe ich allerdings den Eindruck, Personen sind genauso wichtig, vielleicht noch wichtiger als deren Programme. Von Richard Nixon heißt es, er habe 1960 den Kampf ums Weiße Haus gegen Kennedy verloren, weil er, Nixon, beim entscheidenden Fernsehduell nicht richtig rasiert gewesen war. Dem ungepflegten Kandidaten hat man anscheinend weniger vertraut.

Armin Laschet ist ja in der Wählergunst abgestürzt, weil er in den Trümmern der Flutkatastrophe in einem unbedachten Moment gelacht hat. Olaf Scholz lacht nie. Bei seinen letzten Fernsehauftritten sah er oft aus wie seine eigene Marmorbüste: von steinerner Gelassenheit, echt staatstragend. Nach jedem Triell fanden die meisten Zuschauer Scholz am besten. Seine betont coole, irgendwie merkelhafte Art stiftet offenbar Vertrauen. Annalena Baerbock musste sich zu Beginn ihres Wahlkampfs entschuldigen: für geklaute Passagen in ihrem Buch, für ein paar Schönfärbereien in ihrem Lebenslauf. Prompt verlor sie an Zuspruch, die Kanzlerkandidatin hatte gepatzt.

Ob deshalb die Grünen am Wahltag schlecht abschneiden, ob die SPD mit Scholz gewinnt, die CDU mit Laschet verliert, weiß freilich keiner. Weil jeder Wähler, jede Wählerin am Ende für sich entscheidet, was wichtiger ist: Personen oder Programme.

Stand: 21.09.2021, 12:27