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Kommentar: Werden wir wieder (partei-)politisch?

Symboldbild: Bunte Kugelschreiber zeigen aus ein Wahlkreuz, Fragezeichen liegen daneben

Kommentar: Werden wir wieder (partei-)politisch?

Von Katja Schwiglewski

Die politischen Parteien verlieren Mitglieder, daran haben wir uns seit Jahren gewöhnt. Jetzt kommt aus Köln die Meldung, dass sich alle Parteien dort über Zulauf freuen. Das ist offenbar kein Einzelfall und kein lokales Phänomen: Bundesweit konnten die deutschen Parteien zuletzt ein deutliches Mitglieder-Plus verbuchen. Vorbei also die Zeiten der Politik- und Parteienverdrossenheit?

Kommentar: Werden wir wieder (partei-)politisch?

WDR 4 Zur Sache | 28.12.2018 | 02:04 Min.

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Es ist eine gute Nachricht, dass die politischen Parteien in Deutschland wieder mehr neue Mitglieder bekommen. Parteien spielen eine wichtige Rolle in unserer Demokratie. Sie formulieren unterschiedliche politische Schwerpunkte und Ziele und bringen Menschen zusammen, die etwas bewegen wollen, nach dem Motto "Gemeinsam sind wir stark".

Allerdings sollte man die Kirche im Dorf lassen und sich klar machen, es geht um Fortschritte auf niedrigem Niveau. Um kleine Aufwärtsbewegungen nach einem brutalen Absturz. 1990 hatten die deutschen Parteien doppelt so viele Mitglieder wie heute. Dass die großen Volksparteien in den drei Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung so schwach geworden sind, macht mich nachdenklich, ohne dass ich selbst parteipolitisch festgelegt bin.

Denn was steckt dahinter? Politisches Desinteresse? Eine Protesthaltung? Oder überhaupt keine Lust auf Demokratie? Die aktuellen Debatten vom Klimaschutz über die Asyl- und Einwanderungspolitik bis hin zu Sicherheitsfragen haben wieder Schwung in die Republik gebracht, und ich muss sagen, ich bin heilfroh, dass sich diese Diskussionen nicht nur an Stammtischen abspielen, wo große Töne gespuckt, aber nur selten konstruktive Vorschläge gemacht werden.

Deutschland politisiert sich. Glücklicherweise profitieren davon auch die politischen Parteien. Sie profitieren durch die Bank, die traditionellen wie CDU, SPD und FDP, die jüngeren wie die Grünen und auch die AFD. Und das ist gut so! Denn natürlich bedeutet Politik immer wieder Konfrontation und Streit. Diese Auseinandersetzungen dürfen gerne im Bundestag ausgetragen werden, ja, mehr noch: Gerade dort müssen sie stattfinden.

Deshalb wünsche ich mir, dass sich unsere Volksvertreter ordentlich ins Zeug legen und, wenn nötig, schwer in die Wolle kriegen, um die richtigen Weichen für unser Land zu stellen. Eine solide Parteibasis im Rücken ist dabei auf jeden Fall von Vorteil.

Stand: 28.12.2018, 13:10