Kommentar: Olympia-Wettlauf mit Corona

Die Olympischen Ringe in Tokio

Kommentar: Olympia-Wettlauf mit Corona

Von Katja Schwiglewski

In Tokio läuft zum zweiten Mal der Countdown für die Olympischen Sommerspiele. Das weltumspannende Sportereignis hätte eigentlich heute mit der Eröffnungsfeier beginnen sollen, wegen der Corona-Pandemie sind die Spiele aber auf 2021 verschoben worden. Ob und wie sie in einem Jahr tatsächlich stattfinden können, bleibt ungewiss. "Wir trainieren total ins Blaue hinein", klagt Athletensprecher Max Hartung. Die Sportler können einem leidtun, meint WDR 4-Autorin Katja Schwiglewski in ihrem Kommentar:

Kommentar: Olympia-Wettlauf mit Corona

WDR 4 Zur Sache 24.07.2020 02:01 Min. Verfügbar bis 24.07.2021 WDR 4 Von Katja Schwiglewski

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Eigentlich wollte Säbelfechter Max Hartung seine Karriere nach den Olympischen Spielen 2020 beenden. Jetzt macht er weiter, ohne zu wissen, ob sich die ganze Schinderei lohnt. Es gibt keine Wettkämpfe zur Zeit. Corona hat den Spitzensport jenseits von Fußball k.o. geschlagen, und es ist nicht abzusehen, wann der sich wieder berappelt. Der Versuch, jetzt aufzustehen, gleicht einem übermenschlichen Kraftakt – "fühlt sich an, wie 1.000 Bälle gleichzeitig zu jonglieren", sagt Hartung.

Das Gefühl von Ohnmacht und Überforderung begleitet die Corona-Krise nicht nur im Sport. Wir alle kennen wohl das Gefühl, nichts in der Zukunft verlässlich planen zu können. Alles steht unter Vorbehalt. Was das für ein globales Mega-Event wie die Olympischen Spiele bedeutet, kann man sich vorstellen. Eine endgültige Absage, die ja keineswegs ausgeschlossen ist, wäre eine Katastrophe, aus finanzieller Sicht für alle Beteiligten, aber auch sportlich gesehen für die Athleten.

Denn die trainieren jahrelang mit eiserner Disziplin auf die großen Wettkämpfe hin und haben dabei in der Regel keine lukrativen Geldquellen, die sie anzapfen können. Der hart erkämpfte Ruhm ist oft ihr einziger Lohn. Das ist uns Fernsehzuschauern, die wir gerade die Leichtathleten bei den Olympischen Spielen so sehr bewundern, vielleicht nicht immer bewusst.

Die Sprinter mit ihren sagenhaften Zeiten, die Hochspringerinnen, die sich weit über ihre eigene Körpergröße hinaus über die wacklige Latte heben, der Zehnkampf, vor dem man als Couch-Potatoe nur den Hut ziehen kann – das macht die Faszination Olympia aus. Schade, schade, schade, aber halt nicht zu ändern. Bereiten wir uns am besten innerlich darauf vor, dass auch Tokio 2021 platzen könnte bzw. dass die Spiele einen völlig anderen Charakter bekommen, ohne jubelnde Massen, mit einer deutlich abgespeckten Eröffnungsfeier. Den Sportlern ist zu wünschen, dass sie trotzdem stattfinden.

Stand: 24.07.2020, 13:10