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Obdachlosigkeit

Kommentar: Obdachlosigkeit

Stand: 23.02.2022, 14:10 Uhr

Wir können es uns alle gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man kein Dach mehr überm Kopf hat und auf der Straße leben muss. Wer obdachlos ist, hat alles verloren und ist auf die Leute angewiesen, die ein paar Cent in den aufgestellten Becher werfen. Mitleid ist gut, echte Hilfe wäre besser, und da ist die Politik gefordert.

Von Ferdinand Quante

Kommentar: Obdachlosigkeit

WDR 4 Zur Sache 23.02.2022 01:43 Min. Verfügbar bis 23.02.2023 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Fast hat man sich an diesen Anblick gewöhnt: Ein Berg von Taschen und alten Klamotten in einem Hauseingang oder einer Ladennische, auf dem Boden ein lumpiger Schlafsack, aus dem ein Kopf hervorlugt.

Der will das ja gar nicht anders! Ist noch gar nicht so lange her, dass man Obdachlose als ein eigene Kategorie Mensch betrachtete. Arme Teufel waren’s, von einem bösen Schicksalsschlag umgehauen und dann auf der Straße gelandet. Schlimm zwar, aber so ist das Leben, und zu machen ist da nichts, weil die es ja auch anders gar nicht mehr wollen.

Inzwischen weiß man’s besser und die Politik handelt. 2019 hat das nordrhein-westfälische Landesministerium die Initiative "Endlich ein Zuhause!" gestartet, ein Jahr später ist die Zahl der Wohnungslosen in NRW um sieben Prozent gestiegen, auf fast 50.000 Menschen.

Warum? Weil die gut gemeinte Initiative schlecht gemacht ist. Gerade mal drei Millionen Euro jährlich hat man bewilligt, um Obdachlosen zu helfen. Jetzt wurde der Betrag verdoppelt, aber aufs Ganze gesehen sind auch sechs Millionen praktisch nichts. 120 Euro pro Obdachlosen im Jahr, was bitte soll das bringen? Und warum wird der soziale Wohnungsbau nicht endlich auf Touren gebracht?

Es sind ja nicht nebulöse Schicksalsschläge, die die Menschen aus ihren Wohnungen auf die Straße treiben, sondern sehr oft Mieten, die sie nicht mehr zahlen können. Hier ist der Hebel anzusetzen. Denn wie unmenschlich ist es, Obdachlosigkeit bloß zu verwalten? Eine Politik, die sozial sein will, muss Obdachlosigkeit verhindern.