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Kommentar: Unnötige Notrufe

Notrufnummer 112

Kommentar: Unnötige Notrufe

Von Katja Schwiglewski

Der Notruf, die 112, ist gedacht für lebensbedrohliche Situationen. Oft wird die Notfallnummer aber auch in weniger dringenden Fällen gewählt. Die Feuerwehr Köln und die Kassenärztliche Vereinigung haben deshalb ein Modellprojekt gestartet, das einen direkten Draht von der Rettungsleitstelle zur Arztrufzentrale NRW in Duisburg herstellt. Dort sitzen jetzt rund um die Uhr Mitarbeiter, um Patienten die richtigen Ansprechpartner zu vermitteln.

Kommentar: Unnötige Notrufe

WDR 4 Zur Sache | 11.01.2019 | 01:55 Min.

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Bei schweren Unfällen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen geht es um Minuten. Da darf es nicht passieren, dass Sanitäter und Notärzte zu spät kommen, weil andere Leute das Rettungssystem mit unnötigen Notrufen blockieren. Wer die 112 anruft, weil er sich ausgesperrt hat oder eine Katze im Baum sitzt, hat das Prinzip nicht verstanden.

Das ist absurd, darüber braucht man nicht zu diskutieren. Wer wegen einer Kleinigkeit anruft, verhält sich – bewusst oder unbewusst – unsolidarisch. Denn wenn es ein ausgeruhter Arztbesuch auch getan hätte, muss weder ein Rettungswagen kommen, noch eine Notfall-Ambulanz im Krankenhaus aufgesucht werden.

Etwas mehr Einsicht tut not, den Schwerverletzten und Intensivfällen zuliebe! Aber ich gebe zu, ich habe auch schon einmal die 112 angerufen, obwohl ich nicht sicher war, ob das wirklich sein musste. Ohne ins Detail zu gehen: Es ging damals um ein minderjähriges Mädchen, das über Nacht zu Gast in unserem Haus war und, sagen wir mal, einen über den Durst getrunken hatte.

Deshalb kann ich jeden verstehen, der in einer unklaren, beunruhigenden Situation lieber einmal zu viel anruft als einmal zu wenig. Man würde sich doch ewig Vorwürfe machen. Niemand, der den Notruf nicht absichtlich missbraucht, sollte ein schlechtes Gewissen haben.

So nachvollziehbar der Wunsch auch ist, die Rettungsleitstellen und die Einsatzkräfte zu entlasten, es wäre nicht richtig, die Menschen in diesem Punkt zu verunsichern, sie unter Druck zu setzen oder gar abweisend zu behandeln.

Deshalb finde ich den Service-Gedanken des Kölner Modellprojekts ganz ausgezeichnet. So bekommen Anrufer, die Hilfe suchen, Orientierung bei der Suche nach einem Arzt, auch abends und nachts, auch am Wochenende und an Feiertagen. Gerade für ältere Menschen kann das eine große Entlastung bedeuten.

Stand: 11.01.2019, 13:10