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Kommentar: Im Notfall versorgt

Notaufnahme-Schild

Kommentar: Im Notfall versorgt

Von Irene Geuer

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat also seine Pläne vorgelegt, wie er die Notaufnahmen in Krankenhäusern entlasten will. Weil ja immer mehr Menschen, wenn es ihnen nicht gut geht, abends oder am Wochenende in der Notaufnahme Hilfe suchen, anstatt zum niedergelassenen Arzt zu gehen. Das hatte ja auch zu vielen kritischen Bemerkungen geführt, so nach dem Motto: Gehen mit Schnupfen ins Krankenhaus… Früher hat es das nicht gegeben, sagen viele. Und Irene Geuer sagt, lasst die Leute in Ruhe, früher hatten es die Kranken tatsächlich besser.

Kommentar: Im Notfall versorgt

WDR 4 Zur Sache 23.07.2019 01:58 Min. Verfügbar bis 22.07.2020 WDR 4

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Sie hatte mich umgetrieben, die Frage: Ist der Mensch tatsächlich fimschiger geworden, zum Weichei mutiert, das sich gerne auf den Plastikstühlen einer Notaufnahme herumdrückt, mit Krankenkärtchen in der Hand, wehleidig, bis die gefühlten 100 anderen vor ihm das Behandlungszimmer passiert haben und er selbst nun der Nächste ist. NEIN! Wir haben uns nicht verändert, wir sind immer noch die gleiche Sorte Mensch wie vor 15 oder 30 Jahren. Es sind die Verhältnisse, die sich verändert haben.

Früher gingen die Menschen tatsächlich nicht ins Krankenhaus, wenn sie die Grippe in den Knochen hatten oder mörderische Kopfschmerzen sie plagten. Früher gab es den Hausarzt, der einen kannte. Und der kam. Zum Kranken tatsächlich nach Hause. Am Samstagnachmittag. Auch wenn Bundesliga war. "Wissen Sie eigentlich, wie anstrengend das ist und wie schlecht das bezahlt wird?", hat mich mal einer gefragt, der noch heute so ein Hausarzt ist. Das glaube ich gerne. Und ich vermute, dass er wahrscheinlich gar nicht so unglücklich ist, wenn die Menschen die Notaufnahme besuchen, statt bei ihm anzurufen.

Es war also in der Regel nicht so, dass wir tapfer bis Montag gewartet haben, wenn wir Blut im Urin hatten. Die Jungs vom Fußballverein saßen schon immer direkt nach dem Spiel beim Doc, um sich die Blessuren versorgen zu lassen. Ja, es gibt aber auch Menschen, die lieber am Wochenende in der Notaufnahme, als am Montag fünf Stunden beim Arzt zu sitzen. Warum? Weil sie am Montag in der Regel wieder arbeiten gehen wollen. Ich kenne niemanden, der in der Notaufnahme sitzt, ohne irgendwie doch einen für sich persönlich guten Grund zu haben. Wie z.B. der Lehrer mit dem schmerzenden Arm, Sehnenscheidenentzündung, wie sich später herausstellte. Er wollte bei der Abiprüfung seiner Schüler nicht fehlen, da ging er in die Notaufnahme.

Gesundheitsminister Jens Spahn tut gut daran, wenn er dafür sorgt, dass es in den Krankenhäusern eine hausärztliche Praxis gibt für abends und das Wochenende. Denn Faktum ist ja auch: Krankheiten haben keine Fünf-Tage-Woche und können auch am Mittwochnachmittag ausbrechen. Und wie schön ist es, wenn dann auch jemand da ist, der hilft.

Stand: 23.07.2019, 13:10