Mopedführerschein ab 15 – ein vorgezogenes Wahlgeschenk?

Eine junge Frau fährt mit ihrem Moped die Straße entlang.

Mopedführerschein ab 15 – ein vorgezogenes Wahlgeschenk?

Von Stephan Karkowsky

Das Bundeskabinett hat beschlossen, das Mindestalter für den Mopedführerschein von 16 auf 15 Jahre zu senken. Dazu soll das Straßenverkehrsgesetz geändert werden. Anschließend können die Bundesländer selbst entscheiden, ob sie die neue Regel anwenden wollen.

Mopedführerschein ab 15 - ein vorgezogenes Wahlgeschenk?

WDR 4 Zur Sache 16.05.2019 02:13 Min. Verfügbar bis 15.05.2020 WDR 4

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Zugegeben: Erst hab' ich gedacht: Was soll der Quatsch? Ich bin doch mit 15 auch schon Moped gefahren? Dann fiel mir ein: Ach nee, das waren ja führerscheinfreie Mofas. Meine alte "Zündapp Bergsteiger" durfte zwar nur 25, aber mit einem neuen Ritzel fuhr das Ding fast so schnell wie ein Moped. Bis plötzlich dieser hochstehende Gullideckel auftauchte. War ein schönes Gerät!

Moped war schon damals in den Achtzigern die nächsthöhere Kategorie und: führerscheinpflichtig. Offiziell ein Kleinkraftrad bis 50 Kubik, 45 km/h, Führerscheinklasse AM. Das gibt's jetzt also ab 15, wenn es das zuständige Bundesland zulässt. Im Prinzip heißt das nur, dass Jugendliche bereits ein Jahr früher mit Tempo 45 unterwegs sein dürfen.

Kritiker sagen: Böse Sache! Dann will doch keiner mehr gedrosselt fahren – das erhöhe das Unfallrisiko. Jugendlichen fehlt die Erfahrung, und sie fahren bewiesenermaßen riskanter. Warum also erlaubt der Staat das? Weil die Ostländer ganz anders argumentieren. Dort laufen seit Jahren Modellversuche zum Moped ab 15, und da sagt man: Entscheidend ist die Führerscheinpflicht!

Mofafahrer brauchen nur eine Mofa-Prüfbescheinigung. Mopedfahrer dagegen eine qualifizierte und umfassende Verkehrsausbildung mit anschließender Prüfung. Dadurch könne man den jungen Menschen wesentlich besser die Verantwortung vermitteln, die sie im Straßenverkehr tragen. Ich finde: Das ist das entscheidende Argument.

Klar ist dieses Zugeständnis an die Flächenländer im Osten vor allem dem Wahljahr 2019 geschuldet. Am 26. Mai Europawahl, in allen fünf neuen Ländern Kommunalwahlen, in dreien wird im Herbst ein neuer Landtag gewählt. Weil der öffentliche Nahverkehr die ländlichen Regionen Ost nur schlecht abdeckt, erhöht der Staat die Mobilität von Jugendlichen im Auszubildendenalter. Und entlastet dadurch ihre Eltern und Großeltern. Gut so.

Auch bei uns in Nordrhein-Westfalen gibt es nicht nur städtische Großräume mit super getakteten Bus- und Bahnnetzen. Die Landesregierung in Düsseldorf sollte sich hier mal an den Ostländern ein Beispiel nehmen.

Stand: 16.05.2019, 13:10