Kommentar: Vor 50 Jahren bekam der Mann im Mond Besuch

Apollo 11-Astronaut Edwin "Buzz" Aldrin steht neben der US-Flagge auf dem Mond (1969)

Kommentar: Vor 50 Jahren bekam der Mann im Mond Besuch

Von Stephan Karkowsky

Um den Mond kommt man dieser Tage nicht herum: 50 Jahre Mondlandung sind ein mediales Großereignis. Aber auch ohne das Jubiläum fasziniert der Mond die Menschen. Stephan Karkowsky hat ein besonders persönliches Verhältnis zum Mond.

Kommentar: Vor 50 Jahren bekam der Mann im Mond Besuch

WDR 4 Zur Sache 19.07.2019 02:08 Min. Verfügbar bis 18.07.2020 WDR 4

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Als ich Kind war, hatten wir zuhause eine dieser alten Musiktruhen aus Holz. Oben stand das wuchtige SABA-Radio. Darunter meine Mondraketenbasis: Der alte Plattenspieler! Auf dem spielte ich, wann immer ich durfte: Der Mann im Mond.

Wenige Monate nach Landung der ersten Mondsonde sang Gus Backus: Der Mann im Mond / Der hat es schwer / Denn man verschont / Ihn heut' nicht mehr / Er schaut uns bang / Von oben zu / Und fragt: "Wie lang' Hab' ich noch Ruh'?". Der Song beginnt mit dem Sound einer Rakete. Die startete, wann immer ich die Nadel aufsetzte.

Zu jedem Vollmond kam mich der Mond damals in meinem Kinderzimmer besuchen und schien so hell durch die Dachluke, dass ich nicht schlafen konnte. Trotz der Spieluhr, die unermüdlich klimperte: Nur der Mann im Mond schaut zu. Tagsüber wurde weitergearbeitet am Revell-Bausatz der Saturn-5-Rakete. Und immer zu Weihnachten gabs Peterchens Mondfahrt. Ich war mondsüchtig!

Bis heute bin ich sicher: Der Vollmond hat ein Gesicht! Zwei große Augen und einen runden Mund. Goethe dichtete drüber. Und der erste Science-Fiction-Film überhaupt hieß 1902 "Die Reise zum Mond". Als diese Reise wirklich begann, in dieser Woche vor 50 Jahren, schien der Mond schwarz-weiß aus unserem Fernseher.

Es war die Nacht zum 21. Juli 1969, ein Montag in den Sommerferien. Um Mitternacht krächzte es aus dem Gerät: "The Eagle has landed". Vier Stunden später betrat Armstrong den Mond. Ich hab da bestimmt schon fest geschlafen. Aber die Faszination für den Mond ist geblieben: Wie gern schaue ich nach oben und sehe das gleiche Mondgesicht wie immer: nicht gealtert, keine Falten, noch immer dieselben Pausbacken.

Wie großartig sind Ereignisse, wie vor zwei Jahren der Blutmond – oder vor ein paar Tagen die partielle Mondfinsternis! Wie magisch verzaubert Mondlicht die nächtliche Landschaft! Wie kräftig bewegt der Mond an den Küsten die Gezeiten! Sie merken schon: Wenn es um den Mond geht, werde ich wieder Kind. Wie geht's denn Ihnen damit?

Stand: 19.07.2019, 13:10