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Kommentar: Mit Sinn und Verstand, bitte!

Plenarsaal des NRW Landtags, leere Stuhlreihen mit Plexiglasscheiben dazwischen

Kommentar: Mit Sinn und Verstand, bitte!

Von Irene Geuer

Am Mittwoch wollen sich die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten mit Kanzlerin Merkel wieder zusammensetzen, um neue Regelungen für die Corona-Pandemie zu finden. Aber dieses Mal soll es anders werden als sonst. Sie wollen einen großen Plan vorstellen, wie wir durch den Winter kommen. Das ist nicht so ganz einfach, da in den Bundesländern verschiedene Voraussetzungen herrschen. Allein schon, was die Zahlen der Infizierten angeht. Trotzdem sagt WDR 4-Autorin Irene Geuer: Es muss EIN Plan her und der muss Sinn und Verstand haben, sonst wird es schwierig.

Kommentar: Mit Sinn und Verstand, bitte!

WDR 4 Zur Sache 23.11.2020 01:42 Min. Verfügbar bis 23.11.2021 WDR 4 Von Irene Geuer


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Sehr geehrte Ministerpräsidentinnen und -präsidenten,

endlich soll es also eine Strategie geben, die längerfristig Geltung hat. Das ist gut so. Viele Menschen verunsichert das Hin und Her bei den Corona-Regeln. Ich kann verstehen, diese Situation ist ganz sicher nicht einfach für Sie als Entscheider. Aber es wird nicht besser mit den Infektionszahlen. Das haben ja viele Virologen schon hundertmal vorgerechnet.

Ich mag auch keine falschen Hoffnungen mehr hegen. Vielleicht doch Silvester ein bisschen Böllern, vielleicht nicht in den Innenstädten, dafür aber auf der Wiese. Alles Quatsch. Ich weiß, die Städte sind für diese Frage zuständig. Und doch können Sie als Länderchefs in ihren Plan hineinschreiben, was sinnvoll ist. Wir brauchen Solidarität und keine Individualentscheidungen. Es geht nicht um Wahlkampf, es geht um uns Menschen.

Und es wäre auch schön, wenn Sie Ihre Verordnungen dann so schreiben, dass sie auch Bestand vor den Gerichten haben. Die Quarantäneverordnung für Auslandsrückkehrer ist da ein gutes Beispiel. Warum sollen wir zu Hause bleiben, wenn wir aus einem Land kommen, in dem es weniger Infektionsfälle gibt, als in Deutschland? Solche Verordnungen schüren den Argwohn, dass da doch die Willkür mitregieren könnte. Es sind zwar einzelne Regeln, die von Gerichten kassiert werden, aber die können dafür sorgen, dass das Große und Ganze in Frage gestellt wird. Das ist das letzte, was wir derzeit gebrauchen können.

Noch eins: Wenn Sie über die Schulen nachdenken, dann bitte so, dass die Infektionszahlen gering bleiben. Es gibt mittlerweile so viele Familien, die in Quarantäne sind, weil Lea oder Tom Corona mit nach Hause gebracht haben. Das ist weder für die Familien, noch für die Wirtschaft gut zu ertragen.

Also, sehr geehrte Ministerpräsidentinnen und –präsidenten, Sie haben jetzt noch zwei Tage, um mit all Ihren Kräften für einen guten Plan zu sorgen. Enttäuschen Sie uns bitte nicht. Denn die Zeiten sind schon dunkel genug. Da brauchen wir nicht noch mehr Frustration. Machen Sie es gut.

Stand: 23.11.2020, 13:10