Live hören
Jetzt läuft: Tell Laura I love her von Ray Peterson

Kommentar: Die Sache mit dem Vertrauen

Bankentürme in Frankfurt

Kommentar: Die Sache mit dem Vertrauen

Von Ferdinand Quante

Eine Umfrage mit einem ganz und gar nicht erstaunlichen Ergebnis: Jeder Zweite im Lande misstraut den Banken. Die teuren Rettungen von Wackelbanken im Zuge der Finanzkrise sind halt unvergessen, das Misstrauen gegen Banken ist groß und stabil. Nur gut, dass wir nicht immer und überall Grund haben, misstrauisch zu sein, sonst hätten wir im Alltag doch ziemliche Probleme.

Kommentar: Die Sache mit dem Vertrauen

WDR 4 Zur Sache 07.03.2019 02:17 Min. WDR 4

Download

Vertrauen muss man ja jeden Tag. Wenn ich mit dem Wagen durch die Stadt fahre und die Ampel an der Kreuzung steht auf Grün, vertraue ich darauf, dass die Autos, die von links und rechts kommen, Rot haben. Würde ich ständig daran zweifeln, wäre ich im Minutentakt halbtot vor Angst. An der Tankstelle fürchte ich nie, dass aus dem Zapfhahn für Super Diesel strömt. Ich glaub’ schlicht, dass alles in Ordnung ist, und tanke voll.

Diese Art von Vertrauen ist die Grundlage unseres Lebens. Nur so kann der Alltag halbwegs reibungslos funktionieren. Kleinere Störungen kriegt man leicht in den Griff. Wenn bei meinem Lebensmittelhändler die Wurst schlecht ist, gehe ich zu einem andern, und sollte ich plötzlich allen Händlern misstrauen, verzichte ich halt ganz auf Wurst.

Bei größeren Sachen ist das schon etwas komplizierter. Kann ich mein Auto ersatzlos streichen, weil ich nach dem Abgasskandal die ganze betrügerische Autobande verabscheue und dem Auto an sich total misstraue? Ich könnte es ja mal versuchen, bei einer noch größeren Sache, den Banken nämlich, habe ich keine Wahl. Jeder Zweite misstraut den Banken, sagt eine Umfrage, und was folgt daraus? Nichts.
Niemand kann auf sein Girokonto verzichten, an den Banken hängen wir wie der Kranke am Tropf, komplett abhängig. Ich vermute hinter dem weit verbreiteten Misstrauen gegen die Banken auch eine ordentliche Portion Wut. Nicht nur, weil Banken im Zuge der Finanzkrise mit Steuergeldern gerettet wurden, sondern weil wir nichts gegen sie machen können. Alle Banken in den Wind schießen geht nicht. Was bleibt, ist ein ziemlich hilfloses Misstrauen.

In Bezug auf die Bahn hat sich das komischerweise gedreht. Ich meine, man misstraut dem Unternehmen doch nicht mehr wegen der unpünktlichen Züge, im Gegenteil. Nach langer leidvoller Erfahrung darf ich am Bahnsteig getrost drauf vertrauen, dass der erwartete ICE mit fetter Verspätung kommt. Und wenn mir das zu blöd wird, nehme ich halt das vermaledeite Auto, ganz im Vertrauen darauf, dass die Ampeln einwandfrei funktionieren.

Stand: 07.03.2019, 13:10