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Kommentar: Meisterpflicht für Fliesenleger

Fliesenleger bei der Arbeit

Kommentar: Meisterpflicht für Fliesenleger

Von Katja Schwiglewski

In zwölf Handwerksberufen will die Große Koalition die Meisterpflicht wieder einführen. Das gilt für Fliesen-, Estrich- und Parkettleger, aber auch für einige exotische Berufe wie Holzspielzeugmacher oder Orgel- und Harmoniumbauer. Warum sollte ein Betrieb, der beispielsweise Fliesen verlegt, von einem Meister geleitet werden?

Kommentar: Meisterpflicht für Fliesenleger

WDR 4 Zur Sache 10.09.2019 02:04 Min. Verfügbar bis 09.09.2020 WDR 4

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Ich bin selbst oft in Baumärkten, irgendwo steckt das Heimwerker-Gen auch in meiner DNA. Trotzdem gibt es einige Gewerke, von denen ich definitiv die Finger lassen würde, und dazu gehören Fliesenarbeiten. Das hat mit meinem Hang zum Perfektionismus zu tun. Ein unsauberes Fugenbild, unmotivierte Schnitte oder vorstehende Kanten würden mich bis ans Ende meiner Tage ärgern. Schlechte Qualität bei der Materialauswahl auch. Also lieber Profis ranlassen, auch wenn das teuer wird. Schließlich steht eine kostspielige Badsanierung ja nur einmal, vielleicht zweimal im Leben an.

Wer Geld für ein solches Lebensprojekt in die Hand nimmt, muss sich darauf verlassen können, dass der Job auch richtig gemacht wird, von Leuten, die sich mit Werkstoffen und Arbeitstechniken auskennen, die Erfahrung haben und für ihre Arbeit garantieren. Meine Garantie als Kunde ist der Meisterbrief, mit dem die besondere berufliche Qualifikation im deutschen Handwerk nachgewiesen wird. Eine gute Tradition, finde ich, und deshalb finde ich es auch gut, wenn diese Standards auch unter EU-Bedingungen hochgehalten werden und die Meisterpflicht in wichtigen Handwerksberufen 15 Jahre nach der Liberalisierung wieder eingeführt wird.

Die Entscheidung, ob ich einen Meisterbetrieb beauftrage, mit weniger qualifizierten Anbietern zufrieden bin oder es doch selber probiere, bleibt mir ja vorbehalten. Aber ich muss wissen, woran ich bin. Menschen haben unterschiedliche Ansprüche. Meine persönliche Fehlertoleranz ist gering, gerade wenn es um Projekte geht, die über Jahrzehnte Bestand haben sollen. Wenn schon, denn schon, das ist meine Devise.

Da ist aber noch etwas anderes, das für die Meisterpflicht spricht: die Erfahrung, wie schwer es ist, überhaupt Handwerker zu bekommen, geschweige denn gute. Unser Land braucht dringend Nachwuchs im Handwerk, junge, motivierte Leute mit Grips und Tatkraft, die in Handwerksberufe gehen und dort vernünftige Arbeit leisten. Deshalb darf das Handwerk nicht schleichend abgewertet werden. Der Meistertitel sollte ein unbestechliches Qualitätssiegel bleiben.

Stand: 10.09.2019, 13:10