Kommentar: Meinungskonsum kann gefährlich sein

Meinungskonsum kann gefährlich sein

Kommentar: Meinungskonsum kann gefährlich sein

Von Ferdinand Quante

Es ist ja gerade in Coronazeiten nicht ganz einfach, einen halbwegs festen Standpunkt zu finden und zu vertreten. Die neuen Kontaktbeschränkungen, die aktuellen Schulschließungen – ob das alles so richtig ist? Schwer zu sagen. Aber eine Meinung will man ja schon haben, und reichlich Stoff, um sich eine Meinung zu bilden, findet man bekanntlich im Internet, einem wahren Ozean der Informationen. Die schiere Fülle der Infos und Meinungen kann allerdings durchaus gefährlich sein, meint Ferdinand Quante in seinem Kommentar "Zur Sache".

Kommentar: Meinungskonsum kann gefährlich sein

WDR 4 Zur Sache 13.01.2021 01:55 Min. Verfügbar bis 13.01.2022 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Diese 15-Kilometer-Regelung – ist das jetzt okay oder großer Quatsch? Wenn die Regelung nicht hilft, die Viren einzudämmen, was ist es dann? Bloß sinnlos oder Schlimmeres? Schikane vielleicht?

Ich bin mir sicher, dass es keine Schikane ist, aber ob diese Bewegungseinschränkung der Bürger in Corona-Hotspots hilfreich ist, weiß ich auch nicht. Meinungen dazu lassen sich ja beschaffen. Bei Google habe ich heute Morgen "15 Kilometer Regelung" ins Suchfeld eingegeben, 244.000 Ergebnisse wurden angezeigt. Zustimmung, Ablehnung, Empörung – alles war zu haben.

Das Netz ist bekanntlich ein riesiger Selbstbedienungsladen. Hier lassen sich Ansichten über Gott und die Welt konsumieren wie Äpfel, Socken und Scheuerpulver im Supermarkt. Und natürlich ist auch über Sinn und Zweck der Corona-Schutzmaßnahmen alles im Angebot: wissenschaftliche Expertisen neben gefühlten Wahrheiten bis hin zu unkontrollierten Ausbrüchen von Wutbürgern. Viele verschiedene Meinungen sind an sich kein Problem, wir leben in einer Demokratie.

Zum Problem wird das Ganze aber dann, wenn unterschiedlichste Meinungen irgendwie gleichwertig erscheinen, und genau das ist im Internet der Fall. Die gefühlten Wahrheiten kommen genauso daher wie wissenschaftliche Fakten, Sachverstand steht neben Unverstand. Da ist es ganz leicht, sich im Selbstbedienungsladen Internet ein Weltbild nach eigenem Geschmack zusammenzubasteln. Vernunft spielt keine Rolle.

Spielt sie natürlich doch. Ohne Vernunft, ohne Kritik, ohne die Verbindlichkeit von Argumenten kann eine Demokratie nicht leben. Und was Sinn oder Unsinn der 15-Kilometer-Regel betrifft – das soll die Wissenschaft entscheiden und nicht irgendein Bauchgefühl.

Stand: 12.01.2021, 13:10