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Kommentar: Mehr Respekt für die Bauern

Weltbauerntag

Kommentar: Mehr Respekt für die Bauern

Von Stephan Karkowsky

Heute ist Weltbauerntag! Auch für WDR 4 ein Anlass, sich die Landwirtschaft bei uns in Nordrhein-Westfalen einmal genauer anzuschauen. Denn viele von uns dürften Bauernhöfe nur aus dem Fernsehen kennen – oder? Stephan Karkowsky hat großen Respekt vor der Arbeit der Bauern – seitdem er einmal als Erntehelfer mitarbeiten musste.

Kommentar: Mehr Respekt für die Bauern

WDR 4 Zur Sache 01.06.2021 01:38 Min. Verfügbar bis 01.06.2022 WDR 4 Von Stephan Karkowsy


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Es war ein Pflichtpraktikum. Bei Bauer Franke. Bedingung für die Aufnahme an der Kölner Journalistenschule. Zwei Monate schuften, zwölf Stunden jeden Tag. Danach noch Berichte aus der Arbeitswelt verfassen.

Ich war 20, hatte lange Haare, Familie Franke wählte CDU. Ich schlief normalerweise lange aus, jetzt musste ich um 4 Uhr aufstehen. Die Kühe wollten gemolken werden, die Eier eingesammelt, die Schweine gefüttert. Abends ausgehen nach einem Tag im Schweinestall konnte ich meinen Freunden nur bedingt zumuten. Meist war ich ohnehin zu müde.

Am schlimmsten war die Heuernte. 15 Kilo schwere Ballen Haferstroh stapeln. Die feinen Häcksel jucken und stechen, von den Schnüren bluten die Hände.

Einmal durfte ich bei der Geburt eines Kalbs assistieren. Ich sah, wie die Kuh trauert, wenn sie vom Kalb getrennt wird. Weil ihre Milch jetzt der Molkerei gehört. Ich weiß, wie wenig dem Bauern am Ende übrig bleibt, nach einem harten Tag Schufterei. Wie lange es dauert, bis der neue Traktor abbezahlt ist.

40 Jahre nach meinem Praktikum sind Lebensmittel in Deutschland noch immer so billig, dass niemand hungern muss. Das ist gut so. Aber dass selbst Menschen, die nicht arm sind, die billigste Milch kaufen, die billigsten Eier, das billigste Fleisch, das ist verkehrt.

Noch immer sind die Einkommen in der Landwirtschaft viel zu niedrig. Angestellte verdienen im Schnitt weniger als 18.000 Euro brutto – im Jahr! Ohne Zuschüsse könnten viele Bauern dicht machen. Dabei ist kein Bauer gern abhängig von staatlichen Almosen. Wir Verbraucher sollten dafür sorgen, dass Bauern von ihrer Arbeit auch leben können. Beim Einkaufen mehr Respekt: Die Bauern haben es verdient.

Stand: 01.06.2021, 12:42