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Kommentar: Maskenverweigerer – was sagen?

Schild weist in Einkaufszentrum auf Maskenpflicht hin

Kommentar: Maskenverweigerer – was sagen?

Von Katja Schwiglewski

Was in Idar-Oberstein passiert ist, erschüttert die Öffentlichkeit: Ein Maskenverweigerer erschießt einen jungen Tankstellenmitarbeiter, weil der ihn zur Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen aufgefordert hat. Eine schreckliche Tat, ein extremer Einzelfall, der doch die Frage aufwirft, wie wir im Alltag reagieren sollen, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält.

Kommentar: Maskenverweigerer – was sagen?

WDR 4 Zur Sache 22.09.2021 01:43 Min. Verfügbar bis 22.09.2022 WDR 4 Von Katja Schwiglewski


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Mein 84-jähriger Vater besucht uns häufiger mit der Bahn. Dabei beobachtet er immer wieder Leute ohne Maske, auf dem Bahnsteig, aber auch im Zug. Ich weiß, dass es ihn juckt, diesen Leuten Bescheid zu sagen. Aber dreimal dürfen Sie raten, was ich als Tochter dazu sage. Halt dich bedeckt, natürlich.

Bahnmitarbeiter können sich nicht so einfach aus der Affäre ziehen, so wie Angestellte im Einzelhandel oder in der Gastronomie. Sie sind angehalten, auf die Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen zu achten. Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. Schon ohne Corona erleben wir seit geraumer Zeit eine Rücksichtslosigkeit und Aggressivität, die einem die Sprache verschlägt. Wenn Sanitäter und Feuerwehrleute im Einsatz beschimpft oder angegriffen werden, zum Beispiel. Der Frust über die Zumutungen der Pandemie bringt zusätzlichen Zunder im Umgang mit Menschen, die ohnehin eine kurze Lunte haben.

Deshalb: Ruhig Blut. Mir ist es auch schon passiert, dass ich ohne Einkaufswagen in den Supermarkt gerannt bin, weil ich nur eben schnell ein einziges Teil besorgen wollte. "Junge Frau! Einkaufswagen!!!" hat mir ein älterer Mann da hinterhergebrüllt, und ich dachte reflexartig, soll der sich doch um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Aber dann habe ich beschlossen, die Sache anders zu sehen. Wenn mich einer "junge Frau" nennt, ist der Tag doch gerettet!

Einer Kollegin ist das Gleiche passiert. Sie ist sogar bis zur Kasse gekommen ohne Einkaufswagen, und nicht wie ich schon von einem wachsamen Kunden im Eingangsbereich aufgehalten worden. Lächelnd hat sich die Kassiererin vorgebeugt und geflüstert: Einen Einkaufswagen brauchen wir aber doch noch. Mit Gelassenheit und gegenseitigem Respekt fährt man immer noch am besten.

Stand: 22.09.2021, 12:47