Ein Arzt mit Spezialbrille bei einer Herztransplantation

Kommentar: Mann mit Schweineherz gestorben

Stand: 10.03.2022, 13:10 Uhr

Heute herrscht große Trauer um David Bennett. Das ist der Mann, dem vor ein paar Wochen ein Schweineherz transplantiert worden ist. Das erste Mal wurde ein tierisches Organ in einen Menschen verpflanzt. Ein Meilenstein der Medizin, den aber Bennett mit seinem Leben bezahlt hat. Gestern starb er. Ein mutiger Mann, sagt Irene Geuer in ihrem Mittagskommentar.

Von Irene Geuer

Kommentar: Mann mit Schweineherz gestorben

WDR 4 Zur Sache 10.03.2022 01:36 Min. Verfügbar bis 10.03.2023 WDR 4 Von Irene Geuer


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Ja, er war sehr schwer krank. Ja, er hatte keine sonderlich lange Lebenserwartung mehr. Und ja, da ist es verständlich, dass er auf das Angebot der Ärzte einging, sich ein Schweineherz einsetzen zu lassen. Für ein menschliches Spenderherz war er als ungeeignet eingestuft worden. Und doch hätte er es nicht tun müssen. Er hätte genauso gut darauf hoffen können, noch etwas länger mit seiner Krankheit zu leben.

Aber nein, er ging das medizinische Abenteuer ein. Er hat sein Leben verloren, aber in der Gewissheit, der Forschung auf dem Gebiet der Transplantation einen großen, ehrenwerten und mutigen Dienst erwiesen zu haben. Man wird ihn nicht vergessen. Genauso wenig wie den Mann, der vor 55 Jahren der ersten Herztransplantation überhaupt zugestimmt hat. Auch Louis Washkansky starb wenige Wochen nach dem Eingriff. Aber er hinterließ viele wertvolle Erkenntnisse in der Medizin, von denen heute immer noch Kranke profitieren. Sein Name ist in Geschichtsbüchern verewigt, in Radio- und Fernsehsendungen wird regelmäßig an solche Menschen erinnert. Und so wird auch David Bennett, der Mann mit dem Schweineherz, nicht vergessen werden.

Ich finde den Gedanken wunderbar, aus einer unheilbaren Krankheit, die man nicht mehr loswird, noch etwas Positives zu schaffen. So oft fragen wir uns, welchen Sinn Leben und Tod machen, da ist Fortschritt schaffen in der Forschung ein Trost. Man kann noch sehr viel tun, auch wenn es für einen selbst nicht mehr reicht. Ich habe vor, meinen Körper posthum der Medizin zur Verfügung zu stellen. Dafür wird man nicht in Geschichtsbüchern verewigt, aber in den Gedanken eines jungen Studierenden. Und dass an meiner Leiche geübt wird, damit die Lebenden davon profitieren, auch den Gedanken finde ich wunderbar.