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Karl Lauterbach und Lothar Wieler

Kommentar: Wie Corona Männerfreundschaften zerstört

Stand: 22.12.2021, 13:12 Uhr

Haben Sie das gestern mitbekommen? Kurz bevor sich Bundesregierung und Länder zusammengesetzt haben, um über neue Corona-Maßnahmen zu beraten, hat das Robert-Koch-Institut sich an die Öffentlichkeit gewandt und ganz strenge Corona-Maßnahmen gefordert. Und kurz danach hat der Chef des Instituts, Lothar Wieler, von Gesundheitsminister Lauterbach einen über den Kopf bekommen. Das Forderungspapier sei nicht abgestimmt gewesen. Ist da etwa gerade eine Männerfreundschaft zerbrochen?

Von Jörg Brunsmann

Kommentar: Wie Corona Männerfreundschaften zerstört

WDR 4 Zur Sache 22.12.2021 01:46 Min. Verfügbar bis 22.12.2022 WDR 4 Von Jörg Brunsmann


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Lauterbach und Wieler. Die beiden waren doch richtig dicke miteinander. Sah jedenfalls so aus. Zwei, die die gleiche Sprache sprechen, die sich verstehen und gemeinsam noch was erreichen wollen. Und dann sowas. Geschickt war das wirklich nicht, was das Robert-Koch-Institut und ihr Chef Wieler da gemacht haben. Kurz vor so einer wichtigen Konferenz einen harten Lockdown fordern. Und damit nicht nur der Bundesregierung vorgreifen wollen, sondern auch dem neuen Expertenrat – in dem RKI-Chef Wieler ja sogar Mitglied ist – vors Schienbein treten.

Wäre die Bundesregierung dem Robert-Koch-Institut gefolgt, hätte es von den Kritikern sofort geheißen: "Da seht ihr es: Wir werden also doch von Virologen regiert". Ging also nicht. Aber einfach nur zugucken, wie wir auf die "Wand" aus Omikron-Infektionen zurennen, geht auch nicht. Also ist so ein halb garer Kompromiss rausgekommen. Ein bisschen Lockdown, ein bisschen Vertrauen, dass wir Bürger uns schon verantwortungsvoll genug verhalten werden.

Ob's klappt und wir damit die Omikron-Welle in den Griff bekommen? Ich glaube nicht – und auch die Bundesregierung scheint wenig überzeugt davon. Gesundheitsminister Lauterbach hat noch gestern Abend in den Tagesthemen gesagt: Wenn's nicht klappt, und die Infektionszahlen sehr stark ansteigen, müsse man auch über einen harten Lockdown nachdenken. Und dass die Behörden sich gerade Notfallpläne zurechtlegen für den Fall, dass ein Großteil ihrer Beschäftigten in Quarantäne muss – auch das spricht Bände.

Was bleibt von gestern? Die Befürchtung, dass wir auf Omikron nur so halb vorbereitet sind. Und auch die Warnungen, vor allem aus anderen Ländern, nur so halb ernst nehmen.

Und die Erkenntnis, dass Corona für Freundschaften – auch für die zwischen Männern – eine ganz schön große Belastung sein kann.