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Kommentar: Lockdown der nordrhein-westfälischen Brücken

Autobahnbrücke Leverkusen

Kommentar: Lockdown der nordrhein-westfälischen Brücken

Von Ferdinand Quante

Wer häufig mit dem Auto unterwegs ist, kennt die Nadelöhre bei Leverkusen und Duisburg. Die Autobahnbrücken kann man dort nur mit gedrosselter Geschwindigkeit überqueren, weil beide völlig marode sind. Retten kann man sie nicht, zwei neue werden derzeit gebaut. Die beiden Autobahnbrücken sind nicht die einzigen in Nordrhein-Westfalen, die in nächster Zeit zu ersetzen sind. Hätte man das nicht verhindern können?

Kommentar: Lockdown der nordrhein-westfälischen Brücken

WDR 4 Zur Sache 13.04.2021 01:34 Min. Verfügbar bis 13.04.2022 WDR 4 Von Ferdinand Quante


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Ich stelle mir gerade vor, wie mein Haus aussähe, wenn ich es wie eine nordrhein-westfälische Brücke behandelt hätte. Der Fußboden wäre rissig, der Durchgang zum Wohnzimmer gesperrt. Achtung, Einsturzgefahr! Von den Decken rieselt der Putz.

Jeder Besucher liefe schreiend davon und ich könnte nur hinterherrufen, dass eben über Jahrzehnte nichts an dem Haus gemacht worden sei. Jetzt käme der Bagger, und ein Neubau müsste her.

So wie bei vielen Brücken im Lande. Die Rheinbrücke Neuenkamp in Duisburg ist ein Wrack und die Autobahnbrücke Leverkusen auch. An beiden wird zwar in einem fort herumgeschweißt, zu retten sind sie aber nicht. Wie überhaupt kaum noch etwas zu retten ist. Rund 700 Autobahnbrücken in Nordrhein-Westfalen müssen ersetzt werden. Ein echter Brücken-Lockdown.

Manche Politiker taten regelrecht erstaunt. Als wären die kaputten Brücken ein Schicksalsschlag. War ihnen nicht klar, dass auch Brücken nur begrenzt haltbar sind? Dass sie schnell und immer schneller altern und verfallen, weil Jahr um Jahr immer mehr Autos über sie hinwegrollen?

Und das jetzt ganz langsam auf verengten Spuren in Duisburg und in Leverkusen. Damit die maroden Bauwerke nicht zusammenklappen. Das kostet Nerven und Geduld, das kostet Zeit. Vom vielen Geld, das die neuen Brücken verschlingen, nicht zu schweigen.

Wie sich solch ein Schlamassel in Zukunft verhindern lässt? Nun, der kluge Brückenbauer würde nicht ewig warten, sondern frühzeitig reparieren. So wie jeder kluge Hausbesitzer auch.

Stand: 13.04.2021, 13:10