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Gibt es ein Leben vor der Rente?

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Gibt es ein Leben vor der Rente?

Von Stefan Karkowsky

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist dagegen, die Arbeitgeber dafür: Für ein höheres Rentenalter. Die Deutsche Bundesbank hatte vorgeschlagen, den Jahrgängen ab 2001 erst mit 69 Jahren und vier Monaten die Rente auszuzahlen. Das hört keiner gern. Stephan Karkowsky findet aber gute Gründe dafür.

Gibt es ein Leben vor der Rente?

WDR 4 Zur Sache 24.10.2019 01:57 Min. Verfügbar bis 23.10.2020 WDR 4

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Ich habe mich schon oft gefragt, warum für Udo Jürgens das Leben erst mit 66 Jahren so richtig anfing. Als dieser Schlager ein Hit war, da gingen Männer im Schnitt mit 63 in Rente. Frauen mit 62… Bei einer Regelaltersgrenze von 65. Schon damals also nahmen viele Rentner Abschläge in Kauf: Weil sie nicht mehr wollten oder nicht mehr konnten.

Eigentlich war das sehr clever von den Frührentnern! Denn abgerechnet wird am Schluss. Mag sein, dass die Vollrentner monatlich mehr Rente kriegen – aber die zwei Jahre, die sich ein Frührentner vorzeitig auszahlen lässt, die müssen die anderen erstmal wieder reinholen.

Auch Renten sind nämlich Wetten auf den Tod. Je älter wir werden, desto mehr Rente kassieren wir. Und weil unsere Lebenserwartung ständig steigt, steigen auch die Kosten der Rentenkasse. Finanzieren könnte man das mit sinkenden Renten. Schlecht für die Rentner. Oder mit höheren Beiträgen. Schlecht für die Arbeitnehmer. Oder mit einem höheren Rentenalter. Ich finde: Das geht!

Erst die 2001 geborenen nämlich sollen ihre Rente mit 69 und vier Monaten bekommen, sagt die Bundesbank. Die heute 18jährigen also. Sind die nicht in der Regel ohnehin anders drauf als wir Alten? Für die fängt doch das Leben nicht erst mit 66 an. Für die gibt es ein Leben vor der Rente! Die sehen, wie sich Eltern und Großeltern kaputt schuften. Und haben die Chance, es besser zu machen. Auch besser vorzusorgen gegen Altersarmut.

Klar: Es gibt Härtefälle. Den vielzitierten Dachdecker etwa. Ein wirklich gerechtes Rentensystem müsste die durchschnittliche Lebenserwartung einzelner Berufsgruppen berücksichtigen und das Rentenalter anpassen. Dachdecker sollten früher abschlagsfrei in Rente gehen können als Beamte.

Bis dahin werden wir uns Jahr für Jahr an ein höheres Rentenalter gewöhnen müssen. Frei nach Udo Jürgens: Mit 69 Jahren ist noch lange nicht Schluss.

Stand: 24.10.2019, 13:10