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Kommentar: O du laute Weihnachtszeit!

Menschenmengen drängen sich zwischen Geschäften und Weihnachtsmarkt-Ständen, Fußgängerzone in der Essener Innenstadt, Kettwiger Straße, Essen, Nordrhein-Westfalen

Kommentar: O du laute Weihnachtszeit!

Von Irene Geuer

Weihnachtsmusik macht krank, ist eine Warnung der Gewerkschaft ver.di. Aber wer gestern beim Weihnachtssingen vom BVB im Stadion war, der ist bestimmt erstaunt. Denn DAS Weihnachtssingen war doch wirklich schön. 50.000 stimmten "Süßer die Glocken" an. Das hatte was. Aber das meint ver.di auch nicht. Die Gewerkschaft klagt den täglichen Weihnachtswahnsinn in unseren Kaufhäusern an. Bei Irene Geuer klingeln auch schon die Ohren …

Kommentar: O du laute Weihnachtszeit!

WDR 4 Zur Sache | 17.12.2018 | 01:46 Min.

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Ich bin ja nicht jeden Tag in einem Kaufhaus unterwegs, aber das reicht auch schon, um dem Überdruss zu begegnen. Am Weihnachtsbaume, o du fröhliche, süßer die Glocken nie klingen, lasst uns froh und munter sein.

Es schallt aus allen Ecken. Eine Muh, eine Mäh, ich sag bähh und denke über die Bedeutung von Maria nach, die durch einen Dornwald ging. Ein Ohrendornwald hat sich seit Ende November in unseren Kaufhäusern aufgetan. Und er wird erst wieder verschwinden, wenn wir selber die Musik anschalten und Heilig Abend feiern.

Das ist fatal. Weil ich dann schon akustisch satt und völlig fertig bin, von dem Ohrwurmbefall. Ich habe das himmlische Glück, aus einem Kaufhaus fliehen zu können. Aber diejenigen, die da arbeiten, können das nicht. Verdammt bis zum Ladenschluss und morgen wieder. O du fröhliche als tägliche Dosis, ich weiß, was die Gewerkschaft ver.di meint, wenn sie von musikalischen Krankmachern spricht. Das geht aufs Gemüt.

Aber, es ist ja nicht nur die Musik. Überall blinkt es, ob bunt oder LED, ob als künstliche Kerze oder Lichterkette. Das geht auf die Augen. Und es sind nicht nur die Kaufhäuser. Überall Weihnachtsmänner und Nikoläuse, die den Kindern Schokolade schenken. Das geht so an die Nerven, wenn man immer wieder erklären muss, dass dieser Mann im Kostüm nur glaubt, er sei ein Heiliger.

Oder die ganzen Weihnachtsmärkte. In Köln gibt es 12 große und in den Stadtvierteln jeweils noch kleine. Und überall bekommen Sie Lachs überm Feuer gegart, Reibekuchen, Baumschmuck, Hüttenschuhe und Waffeln. Honig, Kaffee, Glühwein, Bratwurst. Und das alle Jahre wieder.

Macht irgendwie keinen Spaß. Weihnachtszeit im Quantitätsrausch. Laut, bunt, verschwenderisch. Da geht was verloren. Der Zauber. In allen Zeiten haben wir, ob Christen oder nicht, geglaubt, dass zum Jahresende etwas Wunderbares geschieht, Tiere zum Beispiel sprechen können und von der Zukunft erzählen. Die Rauhnächte. Eine mystische Zeit. Davon, muss ich ehrlich sagen, hätte ich gerne mehr.

Stand: 17.12.2018, 00:00