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Kommentar: Lasset die Roboter zu uns kommen

Ein Roboter, aufgenommen am 04.09.2018 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin

Kommentar: Lasset die Roboter zu uns kommen

Von Ferdinand Quante

Vorgestern ist der sog. Digital-Gipfel zu Ende gegangen, Politiker und Experten haben dort über KI, künstliche Intelligenz, diskutiert. Zudem haben wir in den letzten Tagen viel vom sog. Digitalpakt gehört, der die Online-Zukunft in die Schule tragen soll. Von der technischen Zukunft ist derzeit überhaupt viel die Rede, und auch wir machen uns Gedanken, wie der digitale Fortschritt unsere Welt vielleicht verändern wird.

Kommentar: Lasset die Roboter zu uns kommen

WDR 4 Zur Sache | 06.12.2018 | 02:07 Min.

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Im Augenblick ist es so, dass nach drei Schritten auf der Kellertreppe die Verbindung wacklig wird und unten völlig abreißt. Funkloch. Schön, wenn’s bald gestopft wird. Doch, doch, ich freue mich auf den neuen Netzstandard 5G, obwohl ja so gut wie nie jemand anruft, wenn ich grad im Keller bin.

Aber die Veränderungen durch 5G sollen trotzdem gewaltig sein. Ich hörte von klinischen Operationen, bei denen kein Chirurg mehr im OP-Saal steht, sondern irgendwo am Bildschirm sitzt, vielleicht in seiner Finca auf Malle, um von dort aus einen Roboter zu dirigieren, der am Herzen herumschnibbelt oder eine Leber transplantiert. Wenn die Online-OP die Chancen des Patienten erhöht, lebend aus der Klinik rauszukommen, soll’s mir und wohl jedem recht sein.

Geschichten von zukünftiger Technik kursieren derzeit in rauen Mengen, und ganz gleich, ob sie von Flugtaxis oder Pflegerobotern erzählen, alle Geschichten gehen davon aus, dass die technische Entwicklung wie die Meereswelle über die Sandburg schwappt und alles durchdringen und verändern wird. Automatisch. Unweigerlich. Und sehr schnell.

Alle einverstanden? Ich nicht. Nehmen wir das autonome Fahren. Computer steuern den PKW, man lümmelt sich auf den Rücksitz und kann auf dem Weg zur Arbeit You-Tube-Clips gucken. Ein Traum. Oder Alptraum. Ein Auto ohne Lenkrad, ohne die Möglichkeit, eigenhändig herumzukurven – ich glaube nicht, dass die Mehrzahl der Autofahrer das will, und den Politiker möchte ich sehen, der es riskiert, im Land der Autoliebhaber das individuelle Fahren abzuschaffen.

Ja, ich weiß, eines Tages in ferner Zukunft könnte es dann doch passieren, weil Technik hartnäckig ist und uns prägt. Das Fernsehen wurde Teil unseres Alltags, das Smartphone, noch vor 20 Jahren unbekannt, auch. Irgendwann wird die Roboterzeit da sein, und ich bin vielleicht bald schon der Mann, der zum Telefonieren in den Keller geht.

Stand: 06.12.2018, 13:06