Eine Karnevalistin der Blauen Funken trägt eine Schleife in den ukrainischen Landesfarben

Kommentar: Krieg und Karneval

Stand: 28.02.2022, 13:10 Uhr

Heute findet also die große Demonstration in Köln gegen den Krieg in der Ukraine statt. Anstelle des Rosenmontagsfestes im Rhein-Energie-Stadion gibt es nun eine Kundgebung für den Frieden, initiiert von den Kölner Karnevalisten. Die hatten am Donnerstag, am Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine, kurzentschlossen zu der Demo durch die Stadt aufgerufen.

Von Irene Geuer

Kommentar: Krieg und Karneval

WDR 4 Zur Sache 28.02.2022 01:50 Min. Verfügbar bis 28.02.2023 WDR 4 Von Irene Geuer


Download

Also, ehrlich gesagt: Ich konnte lange mit dieser Ansage "Karneval für den Frieden" nichts anfangen – obwohl ich als Rheinländerin mit Tusch und Kamelle sozialisiert worden bin. Es hatte mich das Gefühl beschlichen, vielleicht doch westfälisches Blut in mir zu haben, was nun in Wallung geraten war. Denn wie viele in Westfalen, habe ich den Kopf geschüttelt. Kann es sein … die Kölner machen wirklich aus allem Karneval. Die Stadt met K, die Hände zum Himmel, drink doch eine met. Die Veranstaltung im Rhein-Energie Stadion, wo die Mottowagen im Kreis vor kleinem Publikum heute fahren sollten, das war eh nicht das Wunschkonzert der Kölner Jecken. Stattdessen kurzerhand am Donnerstag umdisponiert. Heute also ein Zoch, anders als traditionell, aber ein Zoch. Und das bei strahlendem Sonnenschein. Da fühlen sich die kostümierten Rheinländer auch noch vom lieben Gott bestätigt. Unglaublich!

Aber dann habe ich mit den wahren Karnevalisten gesprochen, mit denen von der Basis: kleiner Verein, mit Herz und Seele dabei, alles wird in Eigenarbeit gebaut und gebastelt. So auch die blau-gelben Fahnen und Sticker für heute. Gestern entschieden, zu Schere und Kleber gegriffen. Heidewitzka Herr Kapitän, da simmer dabei!

Passt das? Krieg und Kostüm? "Das passt", kam aus allen Mündern. "Warum nicht?", wurde ich zurückgefragt. Naja, Karneval ist Frohsinn und in der Ukraine herrscht alles andere – nur der nicht. "Eben", war die Antwort. "Und indem wir zeigen, wofür es sich zu kämpfen lohnt – nämlich für ein buntes fröhliches Leben, in dem jeder Jeck anders ist –, da machen wir Stimmung gegen Putin, machen wir Hoffnung, zeigen wir, egal, was ist: Mir stonn zesamme!"

Tja, und dann passierte es, mein rheinisches Herz erwachte aus seinem Koma. Ich bin zwar nicht mitgegangen, weil ich im Büro sitze und arbeite. Aber ich war mit dem Herzen dabei, bei denen im Zoch gegen Krieg, bei den Menschen in der Ukraine und bei denen in Russland, die gegen Putin aufbegehren. Viva Frieden! Viva Colonia!