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Kommentar: Klassenfahrten in den Osten

Schüler auf einer Klassenfahrt am Bahnhof vor einem ICE

Kommentar: Klassenfahrten in den Osten

Von Schwiglewski, Katja

NRW-Ministerpräsident Laschet plädiert dafür, Klassenfahrten nicht nur nach Paris oder Rom anzubieten, sondern auch nach Ostdeutschland. 30 Jahre nach der Wende wäre das gut für den Zusammenhalt in Deutschland.

Weit über 800 Schulen in Nordrhein-Westfalen pflegen internationale Kontakte. Viele Rheinländer und Westfalen waren aber noch nie in Greifswald oder Görlitz. Würde es nicht in der Tat mehr Sinn machen, das eigene Land besser kennenzulernen, statt Jugendliche durch überfüllte Touristenmetropolen im Ausland zu schleusen?

Kommentar: Klassenfahrten in den Osten

WDR 4 Zur Sache 12.08.2019 01:58 Min. Verfügbar bis 11.08.2020 WDR 4

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Was ist der Sinn und Zweck von Klassenfahrten? Eine möglichst aufwändige Reise zu unternehmen? Ein europäisches Top-Ziel zu besuchen? Den Eiffelturm, den Trevi-Brunnen, die Spanische Treppe oder andere weltbekannte Sehenswürdigkeiten abzuklappern? Ich bin nicht sicher, ob touristische Highlights dieser Art zwingend dem Gemeinschaftsgefühl der Jugendlichen oder gar der Völkerverständigung dienen. Solche vermeintlichen Premiumziele sind oft auch ein bisschen eine Prestigesache, vermute ich.

Städte wie Rom wehren sich gerade aus gutem Grund gegen die Auswüchse des Massentourismus, der historische Monumente belagert und beschädigt. Daran müssen sich Schulklassen aus NRW nicht auch noch beteiligen. Deutschland hat viele schöne und spannende Regionen. Es erweitert den Horizont und schont das Klima und den Geldbeutel, die fremde Heimat zu entdecken. Der unbekannte Osten ist auf jeden Fall ein lohnendes Ziel.

Damit das Verständnis für Ostdeutschland wächst, wie es sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wünscht, sind Begegnungen wichtig, Gespräche mit älteren Leuten, die die DDR noch gekannt haben, aber auch Diskussionen mit Gleichaltrigen, die sich in ihren Interessen, Hoffnungen und Ängsten wahrscheinlich gar nicht so sehr unterscheiden von ihren Altersgenossen im Westen. Da müssten sich Lehrer natürlich schon etwas einfallen lassen, damit das alibimäßige Sightseeing im Ausland nicht einfach durch pflichtschuldiges Sightseeing im eigenen Land ersetzt wird.

Dass persönliche Kontakte helfen, Vorurteile abzubauen, ist Tatsache. Deshalb wurden ja beispielsweise viele Städtepartnerschaften mit Frankreich ins Leben gerufen, um die neue deutsch-französische Freundschaft nach dem Krieg zu festigen. Deshalb die vielen Aktivitäten des deutsch-französischen Jugendwerks. Ich habe den Eindruck, dass unser Land jetzt vor einer anderen Aufgabe steht: der Spaltung der Gesellschaft mit Solidarität zu begegnen. Und dabei sollte Schule mitmachen.

Stand: 12.08.2019, 13:10