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Kommentar: Kirchentag – Was für ein Vertrauen!

Besucher mit Kerzen auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund 2019

Kommentar: Kirchentag – Was für ein Vertrauen!

Von Stephan Karkowsky

War es richtig, die AfD vom Dortmunder Kirchentag auszuladen? Darüber wird derzeit in allen Medien diskutiert. Wer aber selbst dabei ist, als Zaungast oder Besucher, der merkt: Diese Entscheidung hat weniger mit Politik zu tun, als mit einem christlichen Verständnis von Anstand, sagt Stephan Karkowsky.

Kommentar: Kirchentag – Was für ein Vertrauen!

WDR 4 Zur Sache 21.06.2019 02:05 Min. WDR 4

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Wer derzeit in Dortmund aus der Bahn steigt, sieht sie sofort: Die Losung des Kirchentages. Direkt unter dem großen U. "Was für ein Vertrauen", steht da. Einfach so. Ohne Fragezeichen.

Den 100.000 Besuchern merkt man dieses Vertrauen an: Trotz voller Züge, Verkehrsstaus und Parkplatzmangel schlendern sie mit großer Gelassenheit durch Dortmund. So war das schon immer auf Kirchentagen: Friede, Freude und – eben nicht: Eierkuchen, denn hier geht’s um was.

Mein erster Kirchentag in Hamburg 81 und der zweite in Hannover, zwei Jahre später: Da protestierten wir friedensbewegten jungen Christen gegen die atomare Aufrüstung. Heute setzt Kirchentagspräsident Leyendecker ein klares Signal gegen Rechts. Der Kirchentag sei schließlich als Laienbewegung gegründet worden, weil die Amtskirchen im Kampf gegen die Faschisten versagt haben, sagt er. Deshalb wolle er der AfD kein Forum bieten.

Im September dachte Leyendecker noch anders: Hier im WDR sprach er sich als Christ gegen die Ausgrenzung rechter Positionen aus. Wenn einer sage, Flüchtlingshilfe sei Verrat am Deutschen Volk, dann würde er ihm zuhören, denn die Gesellschaft brauche den Dialog. Irgendwas muss passiert sein, dass Leyendecker diesen Dialog abgebrochen und die AfD ausgeladen hat.

Wer nichts zu sagen habe, bekomme bei ihm keinen Platz auf dem Podium, sagt er nun. Die meisten Kirchentagsbesucher dürften erleichtert sein über diese klare Haltung. Vermutlich halten sie es mit Ex-Bundespräsident Gauck, der mehr Intoleranz gegen Intolerante fordert. Fröhlich ignorieren sie den Protest-Pavillon, den die AfD am Rande der Dortmunder Innenstadt aufgebaut hat.

Und wenn man länger drüber nachdenkt, dann wird Leyendeckers Entscheidung, gerade im Licht der Losung des Kirchentages, verständlich: Was für ein Vertrauen! Man möchte es nun mit Ausrufezeichen schreiben: In Dortmund versammeln sich Zehntausende, denen Panikmache völlig fremd ist. Die das "Fürchtet Euch Nicht" so sicher und gelassen im Herzen tragen, dass ihnen die Angsteinjager, die Grenzschützer und die Hassverbreiter immer fremd bleiben werden.

Stand: 21.06.2019, 00:00