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Kommentar: 30 Jahre Kinderrechte

Ein Plakat mit dem Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention

Kommentar: 30 Jahre Kinderrechte

Von Ferdinand Quante

30 Jahre alt wird sie heute, die UN-Kinderrechtskonvention, die für Kinder ganz selbstverständlich klingende Rechte einfordert, die aber oft genug missachtet werden. Das Recht, gesund zu leben etwa, oder das Recht auf Bildung, das Recht, etwas zu sagen zu haben. Ja, in vielen Ländern bleibt das den Kindern verwehrt, deren Rechte müssen unbedingt gestärkt werden, aber hier bei uns? Ist doch für Kinder alles bestens, oder etwa nicht?

Kommentar: 30 Jahre Kinderrechte

WDR 4 Zur Sache 13.11.2019 02:13 Min. Verfügbar bis 19.11.2020 WDR 4

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Kinder an die Macht. Sie kennen wahrscheinlich den Song. Herbert Grönemeyer will gleich die ganze Welt in Kinderhände geben. Die Kleinen werden’s schon richten, glaubt er, und zwar viel besser als die Großen: Dem Trübsinn ein Ende, wir werden in Grund und Boden gelacht, Kinder an die Macht.

Ich weiß nicht, ob Grönemeyer da Greta Thunberg vorausgeahnt hat. Nach Definition der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist die 16-jährige Greta ja noch ein Kind. In Grund und Boden lacht sie uns nicht gerade, Herr Grönemeyer, aber Macht, die hat sie. Fridays for Future haut den Erwachsenen ihre Klimazerstörung um die Ohren und pocht auf das Recht, eine Zukunft zu haben.

Was nun leider nicht heißt, dass Kinder immer und überall ganz selbstverständlich über alle nötigen Rechte verfügen und auch Schutz genießen. Deshalb gibt es ja die UN-Kinderrechtskonvention, und würde ich ihre wichtigsten Bestimmungen jetzt hier aufzählen: das Recht auf Privatsphäre, das Recht zu spielen, das Recht auf besondere Fürsorge … Hallo?, würden viele wohl sagen, das haben unsere Kleinen doch längst alles!

Und dann wird aus Bergisch Gladbach ein ausufernder Fall von Kindesmissbrauch gemeldet, und man sieht: Kinder sind bei uns eben nicht durchweg vor Gewalt geschützt, wie es die Kinderrechtskonvention fordert. Kinder haben hierzulande auch nicht die gleichen Bildungschancen, wie Studien immer wieder belegen. Und die Entwicklungschancen und die gesellschaftliche Teilhabe eines Kindes hängen auch von den Eltern ab, von Bildungsstand und Einkommen.

Die UN-Kinderrechtskonvention ist ein Appell an die Kinder, die wissen sollen, was ihnen zusteht, und fast mehr noch einer an die Erwachsenen: Denkt daran, was Kinder brauchen, und sorgt dafür, dass ihre Rechte eingehalten und auch umgesetzt werden.

Beim Recht auf Mitbestimmung wäre das ganz einfach. Wenn eine Neubausiedlung entsteht, auch die Kinder fragen. Sie werden den Planern schon verklickern, wie ihr Spielplatz auszusehen hat.

Kinder an die Macht? Nein, das nicht gerade, aber sie an der Macht zu beteiligen, wäre in vielen Fällen für uns alle gut.

Stand: 20.11.2019, 00:00